Ärzte Zeitung, 29.01.2016
 

"Gesundheitswirtschaft managen"

Patientenorientierung als Schlüsselwort

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung sieht Bedürfnisse der Patienten noch zuwenig beachtet.

MÜNSTER. Die Patientenorientierung wird für die Akteure im Gesundheitswesen in den kommenden Jahren zu einer großen Herausforderung, erwartet Staatssekretär Karl-Josef Laumann, der Pflege- und Patientenbeauftragte der Bundesregierung.

"Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen müssen endlich begreifen, dass sie sich an den Patientenbedürfnissen orientieren müssen, wenn sie zukunftsfähig sein wollen", sagte Laumann auf dem Kongress "Gesundheitswirtschaft managen" in Münster.

Die Briefe an den Patientenbeauftragten und die Beratungsgespräche der Unabhängigen Patientenberatung zeigten, wo aus Sicht der Patienten Probleme liegen.

Er nannte mangelnde Transparenz, unzureichende Arzt-Patienten-Kommunikation, Untersuchungen und Behandlungen, deren Nutzen für den Patienten nicht erkennbar ist, und gleichzeitig Wartezeiten bei Behandlungen, die als notwendig empfunden werden.

Die Patienten wollten beteiligt werden, betonte Laumann. Um Entscheidungen fällen und Wahlrechte in Anspruch nehmen zu können, brauchten sie Transparenz - "auch und vor allem über die Qualität der angebotenen Leistungen".

Das betrifft aus Sicht des CDU-Politikers nicht nur Ärzte und Kliniken, sondern auch die Kassen. Für Versicherte sei es schwer, sich ein Bild über ihre unterschiedlichen Leistungen zu machen. Zur notwendigen Transparenz gehöre auch die Information, wie viele Anträge von den einzelnen Kassen abgelehnt werden.

Er habe eine Evaluation zum Patientenrechtegesetz in Auftrag gegeben, berichtete Laumann. "Ich möchte wissen, was das Gesetz in der Praxis gebracht hat." Es sei nicht akzeptabel, dass Ärzte offenbar häufig die Weiterbehandlung verweigern, nachdem Patienten Einsicht in ihre Patientenakte verlangt haben.

Die Bevölkerung erwarte von der Politik erstklassige Versorgungsstrukturen. "Die im Gesundheitswesen Tätigen müssen damit leben, dass die Politik sich einmischt und das nicht allein dem Markt und der Selbstverwaltung überlassen kann", sagte Laumann. (iss)

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