Ärzte Zeitung, 16.03.2016

Arbeitsmedizin

Gegen jede Lockerung der Schweigepflicht

Eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht wird von Arbeitsmedizinern kategorisch abgelehnt. Für die Sicherheit sei dies eher schädlich.

ERLANGEN. Als "schädlich und wenig qualifiziert" hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, Professor Hans Drexler (Erlangen), die Debatte um eine mögliche Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht bewertet, die nach der Veröffentlichung des Abschlussberichts der französischen Untersuchungsbehörde zum Absturz der Germanwings-Maschine in Gang gekommen ist.

Die erste und wichtigste Frage sei, so Drexler, ob durch eine Modifikation der Schweigepflicht dieser Absturz hätte verhindert werden können. Das sei nach Ansicht der meisten Fachleute nicht der Fall.

Wenn man alle Menschen mit depressiven Episoden und Suizidgedanken als nicht geeignet für Berufe mit potenzieller Drittgefährdung betrachten wollte, dann wäre eine moderne Gesellschaft nicht mehr arbeitsfähig. Außerdem seien Aussagen zur Prognose stets unsicher.

Besonders kritisch sieht Drexler eine Aufhebung der Schweigepflicht gegenüber Arbeitgebern. Wenn sich ein Mensch mit gesundheitlichen Problemen nicht mehr auf die absolute Verschwiegenheit des Arbeitsmediziners verlassen könne, werde dieser seinem Arzt kaum noch Informationen anvertrauen, die seine Beschäftigung gefährden könne.

Daraus ergebe sich "mit Gewissheit" eine geringere Sicherheit für Dritte. Auch deshalb, weil Ärzte dann mit Therapien und anderen Hilfsangeboten Gefahren nicht mehr abwenden könnten. (HL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »