Ärzte Zeitung, 16.09.2016
 

Kinderärztetag

Pädiater wollen eigene DRG für Kinderkliniken

HAMBURG. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat zu Beginn ihrer 112. Jahrestagung in Hamburg das Engagement des Deutschen Ethikrates gewürdigt, der sich für die Rettung der Kinderkliniken in Deutschland einsetzt.

Nach Überzeugung des Ethikrats ist die Schließung von Fachabteilungen und Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin "höchst problematisch".

Laut DGKJ müssten für die stationäre Pädiatrie dringend neue Abrechnungsmodi gefunden werden, weil der Anteil planbarer Leistungen sehr gering sei und "hohe Vorhaltekosten für die Breite pädiatrischer Erkrankungen" geleistet werden müssten.

Die DGKJ begrüßt daher die Forderung des Ethikrates, die Kinder- und Jugendmedizin vom Vergütungssystem der Erwachsenenmedizin zu entkoppeln und ein eigenes DRG-System zu etablieren. Nur so könne auf Dauer die stationäre Pädiatrie gesichert werden.

Denn "ohne besondere Fürsorge für das Kind und die Familie geht in der Kinder- und Jugendmedizin gar nichts", sagte DGKJ-Präsident Professor Egbert Herting.

Abgelehnt wird von der DGKJ das Pflegeberufereformgesetz, in dem die drei Pflegeberufe Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einer generalistischen Ausbildung zusammengeführt werden sollen. Dieser Ansatz negiere die kind- und entwicklungsspezifischen Bedürfnisse bei der Pflege von Kindern, hieß es.

Nach Darstellung des Berufsverbands Kinderkrankenpflege Deutschland beklagen Kinderkliniken und Pflegedirektoren einen zunehmenden Fachkräftemangel in der Versorgung. Dem müsse der Gesetzgeber bei den Beratungen der Berufsreform stärker als bislang Rechnung tragen.

Die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) hat zum Auftakt ihrer Jahrestagung von der Regierung eine "Strategie zur Förderung der Gesundheit zuwandernder Kinder und Jugendliche" gefordert.

Entscheidend sei der "zeitgerechte Zugang zu Gesundheitsleistungen", der derzeit nicht garantiert ist, sagte DGSPJ-Tagungspräsidentin Professor Ute Thyen. 35 Prozent der Menschen, die im ersten Halbjahr 2016 in Deutschland einen Erstantrag auf Asyl gestellt haben, seien Kinder und Jugendliche, 9,2 Prozent waren sogar jünger als vier Jahre. (ras)

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