Ärzte Zeitung, 05.10.2016

KV-Wahlen

Alles neu in Hessen?

Bald zieht in Hessen eine neue Vertreterversammlung in das moderne neue Gebäude. Doch zunächst ist das Rennen um den Vorstandsvize-Posten eröffnet.

Von Jana Kötter

Alles neu in Hessen?

Das neue "Haus der Ärzte": Die KV Hessen ist in Frankfurts modernes Europaviertel gezogen.

© KV Hessen

FRANKFURT/MAIN. Zumindest mit dem Tagungsort der neuen Vertreterversammlung schlägt die KV Hessen ein neues Kapitel auf: Das bisherige graue Verwaltungsgebäude hat man hinter sich gelassen, seit dem Spätsommer liegt die neue Adresse im modernen Frankfurter Europaviertel. Mit dem Umzug wird die KV vom Eigentümer zum Mieter.

Alles neu in Hessen?

Kandidiert auch in diesem Jahr: Hessens KV-Chef Frank Dastych.

© KV Hessen

Mit dem neuen "Haus der Ärzte" ändert sich in Frankfurt also durchaus etwas. Und auch in der neuen Vertreterversammlung (VV), die ab kommendem Jahr im neuen Gebäude tagen wird, stehen Veränderungen an: Denn der noch amtierende Vorstandsvize Dr. Günter Haas tritt bei der nun gestarteten KV-Wahl nicht mehr an. Er will sich künftig auf die Kommunalpolitik in seinem Heimatort im Odenwald konzentrieren.

667 ärztliche Kandidaten treten an

KV-Chef Frank Dastych kandidiert erneut. Der Name des HNO-Mediziners ist auf der Liste der "Fachärzte Hessen" zu finden. Dastych hält sich den Ausgang dabei bewusst offen: Er "hätte zwar kein Problem damit, wieder mehr Zeit der Versorgung zu widmen", würde jedoch auch weiter amtieren. Dabei, sagt er auf Anfrage der "Ärzte Zeitung", würde er sich Kontinuität wünschen.

Diese könnte das bisherige Team um Dastych, VV-Vorsitzender Dr. Klaus-Wolfgang Richter sowie sein Stellvertreter Dr. Eckhard Starke, liefern. Dass einer der beiden aufrücken könnte, gilt als wahrscheinlich: Nicht zuletzt sind Dastych und Haas Anfang 2013 als Duo aus diesen Posten aufgestiegen.

Insgesamt kandidieren 667 Kandidaten auf sieben ärztlichen Listen. Darüber hinaus treten 77 psychotherapeutische Mitglieder auf drei Listen an. Die angestellten Ärzte haben in Hessen noch keine eigene Interessensvertretung.

Erinnert man sich an die schwierigen Bedingungen des "Neustarts" in der KV Hessen – nach Betrugsvorwürfen, Grabenkämpfen und dem Rücktritt der früheren Vorstände (die "Ärzte Zeitung" berichtete) –, erscheint der aktuelle Wunsch nach Kontinuität umso verständlicher.

KV-Chef zieht positive Bilanz

Knapp vier Jahre nach dem Reset schätzt KV-Chef Dastych die Lage in Hessen als gut ein. "Wir hinterlassen ein geordnetes Haus, das deutlich besser aussieht als früher", sagt er. Und meint damit nicht nur das neue Verwaltungsgebäude.

Vor allem angesichts der verbesserten Honorarsituation – eines seiner erklärten Ziele beim Amtsantritt – zeigt sich Dastych zufrieden: Mit Selektivverträgen sei es gelungen, die Honorarentwicklung "positiv zu wenden", bilanziert der KV-Chef. Laut aktuellem KBV-Honorarbericht etwa ist die Bereinigung der Gesamtvergütung in Hessen dank einer deutlichen Zunahme des Honorarvolumens der Selektivverträge zwischen 2012 und 2014 auf zwei Millionen Euro (Q1/2014) gestiegen. Ein Blick in andere Länder zeigt jedoch, dass große regionale Unterschiede bestehen: So spricht der Bericht für Baden-Württemberg von 81 Millionen Euro, in Bayern sind es 69,2 Millionen Euro.

Eine "wirklich schwierige und konfliktgeladene" Baustelle der vergangenen Jahre, betont Haas, war die Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD). Waren zuvor 114 kleinere Bezirke zu besetzen, sind es seit der Reform nur noch 41 größere Bezirke. Für Richter ist das vor allem in ländlichen Regionen ein wichtiger Punkt, die Niederlassung attraktiv zu machen: "Niemand muss sich sorgen, dreimal in der Woche Bereitschaftsdienst zu haben."

Zusätzlich hat die KV Hessen als Vorreiter einen flächendeckenden pädiatrischen Bereitschaftsdienst installiert. Eine wichtige Aufgabe der nächsten Legislaturperiode werde die Einführung weiterer fachärztlicher Bereitschaftsdienste sein, gibt Haas mit auf den Weg.

Nachwuchsförderung bleibt wichtiges Thema

Auch andere Themen werden nach Umzug und KV-Wahl bleiben. Dazu gehört die Erweiterte Honorarverteilung (EHV), bei der – wie berichtet – nachjustiert werden musste. Ein Teil der von den Kassen gezahlten Honorare wird in Hessen nicht an die aktiven Ärzte ausgeschüttet, sondern – ähnlich wie die gesetzlichen Renten – als Altersversorgung an ehemalige Ärzte. Bei der KV-Wahl tritt eine eigene Liste "Pro EHV" an, die sich dieser hessischen Besonderheit annimmt.

Und auch die Nachwuchsförderung wird Thema bleiben – nicht zuletzt angesichts drohender Versorgungsengpässe im ländlichen Raum. Die KV Hessen fördert daher unter anderem im Auftrag des Landes Medizinstudierende, die sich für eine Famulatur in einer Landarztpraxis entscheiden. Dabei wünscht sich Allgemeinmediziner Haas von jungen Kollegen in Zukunft mehr berufspolitisches Engagement: "Nicht nur für die eigene Familie ist Verantwortung zu tragen", warnt er zum Abschied vor einer "Arbeitnehmermentalität". Ein neues Haus, weiß er, bleibt nur attraktiv, wenn sich viele darum kümmern.

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