Ärzte Zeitung, 17.10.2016

Schmerzversorgung

Warum der Südwesten spitze ist

Bei der Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen muss interdisziplinär zusammengearbeitet werden, betonen Experten.

Von Susanne Werner

BERLIN. Was die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen angeht, steht Baden-Württemberg an der Spitze. Bereits 1999 war unter der Moderation des Sozialministeriums ein Prozess auf den Weg gebracht worden, mit dem Ziel, die Betroffenen landesweit besser versorgen zu können. Heute gibt es vier überregionale und 17 regionale Schmerzentren, die allesamt zertifiziert sind.

Das Verfahren zur Qualitätssicherung war in interdisziplinären Schmerzkonferenzen gemeinsam ausgearbeitet worden. Zentrales Gremium auf Landesebene ist das Schmerzforum, dem unter anderem Ärzte, Forscher, Medizinethiker sowie Kassen- und Klinikvertreter angehören.

"Baden-Württemberg ist ein Leuchtturm in der Schmerzversorgung", lobte daher auch Dr. Sybille Scriba das Vorgehen im Südwesten jüngst beim 3. Nationalen Schmerzforum in Berlin. Die Abteilungsleiterin des Gesundheitsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern hat als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden den Überblick über die bundesweite Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Scriba mahnte, künftig verstärkt sektorenübergreifend zusammenzuarbeiten: "Wenn uns das nicht gelingt, können wir es sein lassen." In der Zukunft brauche es mehr effiziente Versorgungsketten, in deren Mittelpunkt der Hausarzt stehe. Eine bessere Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten steht jetzt in Baden-Württemberg auf der Agenda.

Dr. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), verwies dazu auf das Positionspapier KBV 2020: Versorgung gemeinsam gestalten. Darin hätten die Vertragsärzte "ihre Bereitschaft zur Kooperation" bekundet. Jetzt sei es Sache der KVen, entsprechende Vereinbarungen mit den stationären Einrichtungen vor Ort zu treffen.

Gassen sprach sich gegen einen Facharzt für Schmerzmedizin aus und verwies auf die steigende Zahl derjenigen Ärzte, die schmerztherapeutische Zusatzqualifikationen vorweisen können. Für die koordinierenden Arbeiten, die Ärzte im Rahmen von Netzwerken übernehmen, müsse jedoch auch die Vergütung entsprechend ergänzt werden.

Dr. Christof Veit, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG), setzt auf Patientenbefragungen, um Qualitätsindikatoren besser abbilden zu können. Auch sollen vorliegende Konzepte von nicht-ärztlichen Berufsgruppen dazu ausgewertet werden.

"Wir müssen Modelle erarbeiten, mit denen sich Qualität interdisziplinär beschreiben lässt", sagte Veit beim Schmerzforum. Auch sei die Qualität der Prozesse, so Veit, sehr viel wichtiger als jene der Strukturen. "Die Gefahr ist sonst, dass wir zu sehr regulieren und innovative Lösungen behindern", warnte der IQTIG-Leiter.

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