Ärzte Zeitung, 16.11.2016
 

Termin vermittelt

Patient kommt nicht

Die Terminservicestelle ist für die KV Niedersachsen ein doppeltes Ärgernis: Die Nachfrage ist gering – und in jedem fünften Fall erscheint der Patient zum Termin nicht.

Von Christian Beneker

HANNOVER. Dass die Terminservicestellen (TSS) wenig helfen, liegt auch an den Patienten, meint die Vertreterversammlung (VV) der KV Niedersachsen. Fast 20 Prozent der Patienten mit einem bei der KV vermittelten Termin erschienen zum vereinbarten Zeitpunkt nicht beim Arzt. Die Fachärzte, die extra Termine für die TSS zur Verfügung stellen, haben damit bei fast jedem fünften Termin das Nachsehen.

"In den Monaten April, Mai und Juni 2016 hat die TSS insgesamt 7493 Termine erfolgreich an Patienten vermittelt", teilt die KV mit. "Davon haben 1413 Patienten (18,9 Prozent) diese Termine nicht wahrgenommen." Seit Start des Services Ende Januar bis zum 15. April dieses Jahres wurden insgesamt nur 4721 Termine vermittelt. Im zweiten Quartal sind die Vermittlungen im Vergleich zum ersten Jahresviertel allerdings um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die TSS hat bis Ende Oktober insgesamt rund 48.000 Anrufe erhalten.

Die VV-Delegierten haben in ihrer letzten Sitzung dieses Jahres gefordert, die TSS abzuschaffen. In einer Resolution wird die vom Gesetzgeber verordnete Etablierung der Servicestellen "weiterhin scharf" kritisiert. Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz hatte die Bundesregierung den Sicherstellungsauftrag der KVen an dieser Stelle nachgeschärft.

In den meisten der strittigen Fälle seien die Patienten einfach nicht zum vereinbarten Zeitpunkt erschienen, so dass diese Termine nicht an andere Patienten vergeben werden konnten: Das sei für die Praxen und viele Patienten, die ohne TSS nach einem Termin suchen, nicht hinnehmbar. Mit hohem finanziellem und bürokratischem Aufwand werde "mit den TSS eine weitere regulatorische Instanz aufrechterhalten, die ein Problem lösen soll, das es gar nicht gibt", heißt es. Aus Sicht der Vertreter ist die Terminvermittlung "kein Modell der Zukunft und gehört abgeschafft."

In Niedersachsen übernimmt ein Call-Cener diese Aufgabe. Die KV stellt 2016 eine Million Euro für den Service zur Verfügung, sagt Detlef Haffke, Sprecher der KV Niedersachsen. Tatsächlich kostet ein Telefonat etwa drei Euro. Damit gab die KV im laufenden Jahr bis Ende Oktober weniger als 150.000 Euro für die TSS aus.

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