Ärzte Zeitung, 21.11.2016
 

Berufspolitik

Weigeldt zielt scharf auf BÄK und KBV

Geriatrie, Medikationsplan, Kodierrichtlinien – was Bundesärztekammer und KBV machen, kommentiert Hausärzte-Chef Weigeldt kritisch.

BERLIN. In seinem jüngsten Rundschreiben hat der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, Entscheidungen und Pläne der beiden ärztlichen Spitzenorganisationen BÄK und KBV kritisch unter die Lupe genommen.

Qualifikationsanforderungen für die Geriatrie: Als "Angriff auf die hausärztliche Praxis" bewertet Weigeldt Pläne der Bundesärztekammer für eine Zusatzweiterbildung Geriatrie. Zwar sei von der zunächst vorgesehenen Weiterbildung von zwölf Monaten in einer entsprechenden Einrichtung wohl abgesehen worden, gleichwohl bleibe es bei einem "Angriff auf hausärztliche Kompetenzen". Er warnt: Zunächst würden hunderte von Stunden in Kursen und Seminaren anfallen, dann werde die KBV den Nachweis einer solchen Qualifikation zur Abrechnungsbedingung machen, während das Gros der geriatrischen Patienten nach wie vor in den hausärztlichen Praxen versorgt werden müsste.

Medikationsplan: Wünschenswert sei eine Automatisierung in elektronischer Form, um die nutzlose Zettelwirtschaft zu beenden. Das Hindernis: Die "immensen" Kosten zwischen 300 und 700 Euro für die Einrichtung der Praxissoftware. Das sei "schlichtweg unverschämt", so Weigeldt. Die KBV habe die gesetzliche Vorgabe zum Medikationsplan "schlechtest möglich" umgesetzt, attackiert der Hausärztechef die in der KBV dafür zuständige Kollegin Regina Feldmann. Er könne aktuell nicht empfehlen, jetzt in eine neue Software zu investieren. Man solle in Ruhe abwarten, sich zumindest genau überlegen, ob man die aufgerufenen Preise einzelner PVS-Anbieter akzeptieren solle.

Kodierrichtlinien: Derzeit setzten einige Krankenkassen das Thema wieder auf die Agenda. Sie versuchten damit, von ihren eigenen Mauscheleien mit "unsäglichen Betreuungsstrukturverträgen" abzulenken. Solche Verträge stünden zu Recht unter Druck, weil davon ausschließlich die Kassen, nicht jedoch die Patienten profitierten. Dies solle nun durch Kodierrichtlinien nach dem verworfenen Muster von ZI-Plänen geheilt werden. Gerade wegen der enormen Bürokratie müsse das aber abgelehnt werden. Weigeldt: "Wir brauchen die Zeit für unsere Patienten und können uns nicht teilen oder wie im Krankenhaus Kodierspezialisten einstellen." (HL)

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