Ärzte Zeitung, 25.11.2016

Bremen

Streit um Geriatrie

Ein Beschluss der Landesärztekammer Bremen zur geriatrischen Versorgung sorgt für Wirbel. Er schade "massiv der Patientenversorgung", fürchten die Hausärzte.

BREMEN. Der Bremer Hausärzteverband hat einen Beschluss der Landesärztekammer Bremen zur Versorgung geriatrischer Patienten scharf kritisiert. "Wenn das, was die Ärztekammer Bremen beschlossen hat, tatsächlich Teil der Versorgungswirklichkeit wird, dann würden ältere Patienten nicht nur aus ihrer vertrauten hausärztlichen Versorgung herausgerissen, sie würden auch zum Spielball eines immer unübersichtlicheren Gesundheitswesens", sagt Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Bremen.

"Dieser Beschluss schadet massiv der Patientenversorgung."

Der Antrag sieht vor, dass die Versorgung geriatrischer Patienten zukünftig verstärkt von Geriatrischen Schwerpunktpraxen übernommen werden soll. Patienten sollen geriatrische Assessments durchlaufen und dann gegebenenfalls von einem Geriater weiterbehandelt werden.

"Es ist schon ein starkes Stück, dass sich eine Landesärztekammer anmaßt, vollkommen undifferenziert Assessments und Weiterbehandlungen für ältere Patienten festzulegen", so Mühlenfeld. Die Geriatrie müsse Teil der hausärztlichen Versorgung bleiben. "Es muss endlich Schluss sein mit der Zerstückelung der Versorgung", sagt Mühlenfeld.

Dr. Heike Delbanco, Geschäftsführerin der Ärztekammer, weist die Vorwürfe zurück. "Das Papier betont die herausragende Rolle der Hausärzte in der Versorgung geriatrischer Patienten", sagte Delbanco der "Ärzte Zeitung". Lediglich ein kleiner Aspekt dieses Arbeitspapiers sei die geplante spezialisierte geriatrische Versorgung im ambulanten Bereich.

Doch auch in diesem Zusammenhang betone das Papier die "Schlüsselfunktion" der Hausärzte in der Versorgung. "Vor diesem Hintergrund erstaunen die – falschen – Behauptungen in der Pressemitteilung des Hausärzteverbands Bremen, sie legen den Verdacht nahe, dass die Verbandsvertreter das Papier nicht mit der gebotenen Sorgfalt gelesen haben", sagte Delbanco. (cben)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Diese Akuttherapie lässt Hypertoniker Berge erklimmen

Wenn Hypertoniker in großen Höhen kraxeln, steigt ihr Blutdruck viel stärker an als bei ähnlicher Belastung auf tieferem Niveau. Eine Akuttherapie kann dagegen helfen, berichten Ärzte. mehr »

Der Trend zur Knieprothese

Bundesweit werden immer mehr künstliche Kniegelenke eingesetzt - zunehmend auch bei Jüngeren. Medizinisch erklärbar sei der Trend nicht, so die Bertelsmann-Stiftung. Die Autoren vermuten finanzielle Gründe dahinter und geben Ärzten Tipps. mehr »

Sieben Forderungen sollen Modelprojekt ARMIN voran bringen

Bereits seit 2014 läuft die Arzneimittelinitiative "ARMIN" in Sachsen und Thüringen. Die Beteiligten des Modellprojekts haben jetzt Bilanz gezogen und sieben Forderungen an die Politik übergeben. mehr »