Ärzte Zeitung, 09.12.2016

Kliniken

Minister prophezeit harte Zeiten

Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) macht klar: Nur Krankenhausverbünde werden eine Zukunft haben.

Von Christiane Badenberg

HANAU. Krankenhäuser, die nicht bereit sind, sich in Verbünden zusammenzuschließen, haben in Hessen künftig gesundheitspolitisch schlechte Karten. Dieses Signal sendete Landesgesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) auf dem hessischen Krankenhaustag deutlich aus. "Wer nicht über ein CT und einen Schockraum verfügt, kann nicht ernsthaft behaupten, ein Notfallkrankenhaus zu sein", sagte Grüttner am Mittwoch in Hanau. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sehe das zwar anders, das wiederum könne er nicht verstehen.

"Gehen Sie in Verbünde und arbeiten Sie zusammen. Wer nicht gemeinsam arbeitet, wird einsam bleiben", sagte Grüttner. Es könne niemand glauben, dass ein einzelnes Krankenhaus es schaffen werde, alle künftigen Rahmenvorgaben zu erfüllen. Gemeint sind die zunächst zwölf planungsrelevanten Qualitätsindikatoren, die vom Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) Mitte Dezember veröffentlicht werden sollen. Liefern Kliniken schlechte Qualitätsergebnisse, kann das Land ihnen den Versorgungsauftrag für diesen Bereich entziehen.

Für den Minister steht auch fest: "Ambulante Notfallversorgung wird in Zukunft wohl nur noch am Krankenhaus stattfinden." Alles andere werde offensichtlich von der Bevölkerung nicht angenommen. Bei einer Befragung gehfähiger Patienten in der Notfallambulanz des Klinikums Augsburg hätten 48 Prozent angegeben, in einer Notfallsituation grundsätzlich ins Krankenhaus zu gehen, 32 Prozent waren zuvor beim niedergelassenen Arzt, wollten aber eine Zweitmeinung einholen, nur fünf Prozent seien von einem Vertragsarzt in die Notfallambulanz geschickt worden. Bei solchen Zahlen und dem stark steigenden Patientenaufkommen in den Klinikambulanzen könne die Politik nicht tatenlos zusehen, sagte Grüttner. In Hessen ist die Zahl der ambulanten Notfallpatienten in den vergangenen zwei Jahren um 8,5 Prozent gestiegen.

DKG-Präsident Thomas Reumann hatte in seiner Rede die Schiedsstellenentscheidung zu den Hochschulambulanzen sowie den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) zum Sicherstellungszuschlag scharf kritisiert. Die DKG überlege, gegen die Schiedsstellenentscheidung Klage einzureichen. Sie stört sich daran, dass der behandelnde Arzt zwingend ein Facharzt sein muss. Es reicht nicht aus, einen Facharztstandard zu gewährleisten. Das sei nicht akzeptabel, kritisierte Reumann. Bei den Voraussetzungen für den Sicherstellungszuschlag geht er davon aus, dass praktisch kein Krankenhaus in Deutschland diesen Zuschlag abrufen kann. Der GBA rechnet dagegen mit bis zu 80 Häusern (wir berichteten).

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