Ärzte Zeitung, 09.12.2016

Endoprothetik

Versorgung bei Infektionen verbessern

Orthopäden fordern Spezialabteilungen für Patienten mit Infektionen – und eine entsprechende Vergütung.

Von Susanne Werner

BERLIN. Deutsche Kliniken müssen besser ausgestattet werden, um Patienten mit Hüft- oder Kniegelenkimplantaten bei Komplikationen erneut operieren zu können. Dies forderten Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) am Donnerstag in Berlin.

Insbesondere seien vermehrt spezialisierte Klinik-Abteilungen für Patienten mit Infektionen einzurichten und entsprechend auszustatten.

Rund 400.000 Menschen in Deutschland erhalten pro Jahr ein künstliches Hüftgelenk. Bei weiteren 65.000 muss das Implantat laut Angaben der Gesellschaft wieder ausgewechselt werden. Die Ursache dafür war bislang vor allem ein fehlerhaftes Implantat.

Ein Drittel der Komplikationen durch Infektionen

Mittlerweile gehen jedoch mindestens ein Drittel der Komplikationen auf eine Infektion zurück, sagte Professor Hennig Windhagen von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Etwa ein Drittel dieser Patienten, die dann erneut operiert werden müssen, hätten sich bereits beim Eingriff in der Klinik infiziert, zwei Drittel erkrankten im späteren Verlauf. "Eine Zahnbehandlung kann beispielsweise eine Infektion auslösen, die sich dann als Gelenkschmerz vor allem in Ruhezeiten zeigt", sagte Windhagen.

Eine Qualitätssicherung allein durch das bereits bestehende Endoprothesenregister (EPRD), an dem sich etwa 700 Kliniken freiwillig beteiligen, reiche da nicht aus. "Das EPRD fokussiert auf die Plantate. Um gute Qualität zu erreichen, müssen die Kliniken auch entsprechende Strukturen vorweisen", betonte Windhagen.

Zudem seien auch die unterschiedlichen Lebensstile und Begleiterkrankungen der Patienten stärker zu berücksichtigen. "Stark übergewichtige Menschen haben beispielsweise ein doppelt so hohes Risiko für eine Komplikation nach einer Gelenk-Op als Normalgewichtige", sagte Windhagen.

Finanzieller Anreiz für Kliniken?

Erneute Behandlungen aber lohnten sich für viele Kliniken nicht. Die Abrechnungen nach den DRG würden kaum die anfallenden Kosten decken.

"Eine darauf spezialisierte Abteilung muss bislang mit einem Verlust von bis zu 4000 Euro pro Patient rechnen", sagte Professor Carsten Perka, AE-Präsident und Orthopäde an der Berliner Charité. Perka, Windhagen und andere AE-Vertreter warnen jedoch vor "Rosinenpickerei".

Es könne nicht sein, dass sich die Kliniken nur Patienten mit niedrigen Risiken eine Gelenk-Op anbieten, risikoreiche oder erneute Eingriffe jedoch an andere Kliniken weitergeben.

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