Ärzte Zeitung, 20.12.2016
 

KV Brandenburg

IT-Fachmann wird Vorstandsvize

Der Vorstand der KV Brandenburg ist komplett: Die Vertreter haben einen Fachmann aus der Verwaltung zum zweiten Vize-Vorsitzenden gemacht: Holger Rostek, Leiter des IT-Bereichs in der KV.

Von Julia Frisch

POTSDAM. Mit großer Mehrheit ist vergangenen Freitag Holger Rostek in den Vorstand der KV Brandenburg gewählt worden. Dass ein Informatikspezialist nun die Geschicke der KV mitbestimmt, ist Ausdruck dafür, wie wichtig man das Thema IT nimmt.

Es sei richtig, dass bei der Fülle der anstehenden Aufgaben drei Köpfe mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Qualifikationen an der Spitze stehen, sagte Dr. Torsten Braunsdorf, Präsident der Vertreterversammlung, bei der Fortsetzung der konstituierenden Sitzung.

Die KV wolle sich unter anderem auch mit "Blick auf Megatrends wie die Digitalisierung des Gesundheitswesens zukunftsfest aufstellen". In der ersten konstituierenden Sitzung vor zwei Wochen waren der Chirurg Dr. Peter Noack und der Hausarzt Dipl.-Med. Andreas Schwark zum Vorstandsvorsitzenden sowie stellvertretenden Vorsitzenden gewählt worden.

Sonderumlage von 0,4 Prozent

Die alte, noch amtierende Vertreterversammlung fasste Beschlüsse, zum einen zur Förderung der Weiterbildung, zum anderen zur zügigen Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes. Mit Mehrheit stimmten die Delegierten dafür, für die Weiterbildungsförderung ab kommendem Juli eine einheitliche Sonderumlage in Höhe von 0,4 Prozent zu erheben.

Bis dahin erfolgt in der ersten Jahreshälfte die Finanzierung im Bereich der Hausärzte aus Altrückstellungen, Fachärzte müssen eine Umlage von 0,17 Prozent zahlen.

Bei der Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes mahnten die KV-Vorstände zur Eile. Bis April 2017 müsse einiges geschehen, sonst "haben wir das Spiel verloren", mahnte Noack.

Die KV-Spitze bekam von der VV grünes Licht, ein System von Verweispraxen im Umfeld von Kliniken aufzubauen: Zu ihnen sollen Kliniken Patienten schicken, die keine Notfälle sind. Zudem wird die KV zeitnah eine Aufklärungskampagne starten, über die Patienten informiert werden sollen, an wen sie sich zu sprechstundenfreien Zeiten wenden können.

Anreize für Verweispraxissystem

Im März soll sich die VV dann Gedanken über ein Anreizsystem machen, mit dem möglichst viele Kollegen zur Teilnahme an dem Verweispraxissystem motiviert werden sollen. Das sei auch nötig, sagte HNO-Arzt Dipl.-Med. Ulrich Piatkowiak: "Wie soll ich das regeln, wenn meine Praxis schon voll ist?"

Nur über eine zusätzliche Vergütung seien Kollegen bereit, vermeintliche Notfall-Patienten aus der Klinik mit zu behandeln. Eine Pauschale als "ein bedingungsloses Grundeinkommen" forderte auch Dr.Johannes Becker, praktischer Arzt.

Der Orthopäde Dipl.-Med. Michael Kirsch bezweifelte, dass es gelingen werde, Patienten davon abzuhalten, die Rettungsstellen als erste Anlaufstelle zu sehen: "Wir haben in Cottbus eine Bereitschafsdienstpraxis und trotzdem gehen die Patienten in die Klinik." Nur die Einführung einer Gebühr werde an dem Verhalten der Patienten was ändern, "anders wird es nicht gehen".

Der Allgemeinmediziner Dr. Volkmar Skerra berichtete von einem Klinikgeschäftsführer, der es den Ärzten in der Rettungsstelle verboten habe, Patienten wegzuschicken. Kollegen der Vertreterversammlung kritisierten zudem, dass der Patientenandrang in den Rettungsstellen teilweise auch hausgemacht sei.

Einige Ärzte kümmerten sich für ihre Urlaubszeit nicht um eine Vertretung, sondern verwiesen dann an die umliegenden Kollegen und Rettungsstellen.

Eine Resolution verabschiedete die VV, in der Änderungen beim Medikationsplan gefordert werden. Dieser bedeute momentan Zeitaufwand und hohe Investitionen in die Praxis-IT, die durch die Vergütung nicht gedeckt werden. Es müsse zudem festgelegt werden, dass alle behandelnden Ärzte, also auch Klinikärzte, zur Aktualisierung des Planes verpflichtet seien.

Der bisherige KV-Vorsitzende Dr. Hans-Joachim Helming nutzte die letzte VV für eine Bilanz. "Wir übergeben etwas Geordnetes, etwas Vernünftiges", sagte Helming mit Blick auf die wirtschaftliche Situation der KV.

In den vergangenen beiden Jahren sei es gelungen, die Entnahmen aus den Rückstellungen stets niedriger zu halten als geplant. Nach Hochrechnungen belaufen sich die Entnahmen für 2016 auf 155.000 Euro, vorgesehen seien 2,2 Millionen Euro gewesen.

KV Brandenburg:

3695 Ärzte nehmen in Brandenburg an der vertragsärztlichen Versorgung teil. 2806 von ihnen arbeiten freiberuflich, 578 sind angestellte Ärzte.

1597 Hausärzte stehen dabei 2098 Fachärzten gegenüber. Hinzu kommen 405 Psychotherapeuten.

53,8 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Vertragsärzte. 28,5 Prozent der Hausärzte sind 60 Jahre und älter.

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