Ärzte Zeitung, 18.01.2017

Landarztquote

Bayern prescht voran

Während Politik und Verbände noch über die sogenannte Landarztquote streiten, ist etwas Ähnliches in Bayern längst Realität. Wer sich verpflichtet, die Weiterbildung auf dem Land zu absolvieren, kann ein Studienstipendium bekommen.

Von Christina Bauer und Anne Zegelman

Bayern prescht voran

Bayern macht die Arbeit als Landarzt mit einem Stipendium attraktiv.

© fottoo / Fotolia

MÜNCHEN. Die sogenannte Landarztquote wird derzeit heiß diskutiert – und auch im vorab an die Öffentlichkeit gelangten Masterplan Medizinstudium 2020 ist dieser Punkt noch als "strittig" gekennzeichnet. Kein Geheimnis ist indes, dass die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml zu den Befürwortern gehört. Immer wieder spricht sich die CSU-Politikerin öffentlich dafür aus, bei der Vergabe der Medizinstudienplätze Anwärter zu bevorzugen, die sich verpflichten, später Landarzt zu werden.

Nun unternimmt Huml erneut einen Vorstoß. "Bis zu fünf Prozent aller Medizinstudienplätze in Bayern sollen künftig für Studierende vorgehalten werden, die sich verpflichten, später als Hausarzt in Regionen zu arbeiten, die bereits unterversorgt sind oder von Unterversorgung bedroht sind", heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege (StMGP). Gesundheits- und Wissenschaftsministerium würden derzeit an der konkreten Ausgestaltung arbeiten.

Grundlage für den Plan ist Artikel 5 Absatz 3 Satz des bayerischen Hochschulzulassungsgesetzes. "Die Umsetzung der Landarztquote ist auch für Bayern allein möglich", erklärt Huml auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung". "Unter anderem darf eine derartige Quote für Bewerberinnen und Bewerber eingerichtet werden, die sich aufgrund entsprechender Vorschriften verpflichtet haben, ihren Beruf in Bereichen besonderen öffentlichen Bedarfs auszuüben. Diese Möglichkeit werden wir nutzen."

Während Verbände wie die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), Bündnis Junge Ärzte, Medizinstudierende im Hartmannbund sowie im Marburger Bund eine Quote entschieden ablehnen, ist eine Steuerung über ein Stipendienprogramm für Medizinstudenten längst etabliert. Sie können ein Stipendium bekommen, wenn sie sich verpflichten, nach ihrem Studium ihre fachärztliche Weiterbildung auf dem Land zu absolvieren.

Zudem müssen sie im Anschluss mindestens fünf Jahre dort arbeiten. Möglich ist dabei sowohl die Tätigkeit in einer Praxis als auch an einer Klinik. Bisher investierte das StMGP monatlich 300 Euro pro Student, ab Juli sind es 500 Euro pro Monat. Derzeit gibt es 117 Stipendiaten.Darüber hinaus fördert der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) PJ und Famulatur auf dem Land. Zudem gewähren KVB und Staatsministerium, wie auch in anderen Bundesländern, Fördersummen für Niederlassungen im ländlichen Bereich.

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