Ärzte Zeitung, 18.01.2017

KV Berlin

Wessel neue VV-Vorsitzende

Führungswechseln an der Spitze der Vertreterversammlung in Berlin: Die neue Vorsitzende ist eine Kritikerin des amtierenden KV-Vorstandes.

Von Angela Misslbeck

BERLIN. Die Vertreterversammlung (VV) der KV Berlin hat eine neue Vorsitzende. Für die neue Legislaturperiode, die am Jahresanfang begann, hat die VV in der konstituierenden Sitzung die Gynäkologin Dr. Christiane Wessel an ihre Spitze gewählt.

Wessel erhielt 36 von 40 Stimmen bei zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen. Die 58-jährige Fachärztin ist stellvertretende Vorsitzende des NAV Virchowbundes in Berlin und trat in der vergangenen Legislaturperiode als Kritikerin des amtierenden KV-Vorstands auf.

Auf eigenen Kandidaten verzichtet

Dennoch hat sie bei der Wahl zur VV-Vorsitzenden auch viele Stimmen der klassischen Facharzt-Liste und der Medi-Liste gewonnen. Diese Listen hatten darauf verzichtet, einen eigenen Kandidaten für den VV-Vorsitz aufzustellen.

Gemunkelt wird, dass diese Zurückhaltung Kalkül mit Blick auf die Vorstandswahl haben könnte. Wessel folgt der psychotherapeutischen Fachärztin Dr. Margret Stennes nach, die das Amt während der letzten Legislaturperiode nach dem Rücktritt von Dr. Jochen Treisch übernommen hatte.

Knappe Mehrheit

Den stellvertretenden Vorsitz der Vertreterversammlung hat von nun an die Hausärztin Dr. Gabriele Stempor. Sie setzte sich mit der denkbar knappen Mehrheit von 20 zu 19 Stimmen gegen die Psychotherapeutin Eva-Maria Schweitzer-Köhn durch. Schweitzer-Köhn war von einem Wahlbündnis "Konstruktive KV" aufgestellt worden, zu dem sich die Listen Fachärzte 2.0, Hausärzte für Berlin, Kinderärzte, Liste Kooperation und die beiden psychotherapeutischen Listen zusammengeschlossen hatten. Sie haben sich bei der Wahl zur Vertreterversammlung für einen Neuanfang in der KV stark gemacht und stellen mit 21 Vertretern eine knappe Mehrheit in der neuen Vertreterversammlung.

Das Bündnis bröckelt aber bereits vor der Vorstandswahl. Statt um einen Neuanfang scheint es derzeit eher um Postengeschacher zu gehen. So hat sich der Vorsitzende des Berliner Berufsverbands der Hausarztinternisten, Dr. Detlev Bothe, nach der konstituierenden VV aus der Arbeitsgemeinschaft zurückgezogen. Er hatte nach seinem persönlichen Wahlergebnis fest mit einer Nominierung zum hausärztlichen Vorstandskandidaten gerechnet und das Votum seiner Hausarztliste bereits erhalten. Doch im gesamten Wahlbündnis setzte sich der Berliner NAV-Chef Mathias Coordt als hausärztlicher Kandidat durch. Coordt hatte den Einzug in die VV mit der Hausarztliste verfehlt.

Ambitionen auf ein Vorstandsamt werden aber auch dem Chef des Berliner Hausärzteverbands BDA Dr. Wolfgang Kreischer nachgesagt. Einige Vertreter halten es für denkbar, dass die fünf Stimmen starke BDA-Liste bei der bevorstehenden Vorstandswahl am 11. Februar den fachärztlichen Kandidaten der traditionellen Facharztliste und der Medi-Liste unterstützt, um im Gegenzug die 14 Stimmen dieser Fraktion für Kreischers Kandidatur zu gewinnen.

Als Kandidaten für den fachärztlichen Vorstandssitz werden derzeit die bisherige VV-Chefin Stennes von Seiten des Bündnisses konstruktive KV und der Berliner Medi-Chef Dr. Matthias Lohaus von Seiten der traditionellen Facharztlisten gehandelt. Von dieser Seite ebenfalls für ein Amt im Gespräch war der psychotherapeutische Facharzt Dr. Christian Messer. Zudem zeichnet sich ab, dass das dritte Vorstandsamt mit einem Nicht-Arzt besetzt werden soll.

36

Stimmen

von 40 erhielt die Gynäkologin

Dr. Christiane Wessel. Damit ist sie neue Vorsitzende der Vertreterversammlung der KV Berlin.

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