Ärzte Zeitung, 27.02.2017

Krebs-Früherkennung

Ende für QuaMaDi?

Das Früherkennungsprogramm Qualitätsgesicherte Mamma-Diagnostik gilt im Norden als Erfolg. Dennoch droht ihm nun das Ende.

BAD SEGEBERG. Im Norden droht womöglich das Aus der "Qualitätsgesicherten Mamma-Diagnostik" (QuaMaDi). Zumindest sieht Schleswig-Holsteins KV bei den Kassen wenig Bereitschaft, das spezielle Vorsorgeprogramm zu erhalten. KV-Chefin Dr. Monika Schliffke warf den Kassen einen "Eiertanz" vor.

"Mehrfach besprochene und bereits konsentierte Punkte werden gebetsmühlenartig ständig wieder aufgewärmt. Neue finanzielle Forderungen werden gestellt", berichtete Schliffke in der jüngsten Abgeordnetenversammlung der KV von den "äußerst unerfreulichen" Gesprächen. Die Kassen würden längst besprochene Fragen etwa zum Datenschutz oder zur Rechtsform immer wieder thematisieren – aus ihrer Sicht eine reine Verzögerungstaktik.

Die Diskussion erwecke den Eindruck, dass bestimmte Kassen QuaMaDi nicht mehr wollten – sich aber nicht trauten, dies öffentlich zu machen. "Sie verstecken sich voreinander und hintereinander, es gibt aber auch keine, die vorpreschen. Man traut sich offenbar aber auch nicht, politische und öffentliche Verantwortung für eine Kündigung zu übernehmen, weil eben die medizinischen Ergebnisse zu gut sind", so Schliffke. Welche Kassen das Programm ablehnen, ließ sie nicht durchblicken.

Damit in diesem Jahr der von den Ärzten angestrebte QuaMaDi-Neustart doch noch gelingen könnte, müsste es im ersten Quartal eine Einigung geben. Die Krankenkassen und die KV verhandeln derzeit über eine Fortführung des Programms. Ob es dazu kommt, ist derzeit aber ungewiss – zum Entsetzen der beteiligten Ärzte, die ihren Patientinnen damit in den vergangenen Jahren sehr helfen konnten.

Über QuaMaDi gibt es pro Jahr rund 75.000 Untersuchungen, geleistet von 71 Radiologen in 37 Praxen, 371 Gynäkologen in 258 Praxen sowie vier Kompetenzzentren. Wird Brustkrebs im QuaMaDi-Programm diagnostiziert, ist die Überlebenschance der Betroffenen um 22 Prozent höher als bei einer anders gestellten Diagnose. Auch die Landesregierung ist von der Kündigung durch die Kassen nicht begeistert. Sie hat für den Fall der Weiterführung finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Die KV arbeitet derzeit wie berichtet an einem digitalen Konzept für QuaMaDi, das Kosten und Verwaltungsarbeit sparen würde. (di)

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