Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 03.03.2017

Umfrage unter Assistenzärzten

Codieren statt Behandeln

Eine Umfrage des Hartmannbunds unter 1300 Assistenzärzten zeichnet ein ungeschminktes Bild der Arbeit im Wirtschaftsbetrieb Krankenhaus.

Von Florian Staeck

BERLIN. Assistenzärzte im Krankenhaus bewerten ihre Arbeitssituation kritisch. Das geht aus einer nicht repräsentativen Befragung des Hartmannbundes unter rund 1300 Assistenzärzten hervor.

Ein Drittel der Befragten (32,2 Prozent) benotet die aktuellen Arbeitsbedingungen mit einer 3, knapp 30 Prozent vergeben sogar die Schulnote 2. Allerdings hält jeder Fünfte seine Arbeitsbedingungen nur für "ausreichend", weitere zwölf Prozent sogar "mangelhaft".

Jeweils mehr als ein Drittel der Befragten leistet nach eigenen Angaben pro Woche bis zu fünf oder bis zu zehn Überstunden. Bei weiteren 16 Prozent der Assistenzärzte fallen sogar bis zu 15 Überstunden an. Fast die Hälfte (48 Prozent) der jungen Ärzte erklärt, schon einmal "direkt oder indirekt vom Arbeitgeber aufgefordert worden zu sein, Überstunden nicht zu dokumentieren".

40 Prozent der Ärzte geben an, sie könnten nur selten ihre Pausenzeiten einhalten, bei 14 Prozent der Befragten ist das sogar "nie" der Fall. Nur fünf Prozent erklären, "immer" Pause machen zu können. Desaströs fallen die Antworten hinsichtlich der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben aus. 39 Prozent stimmen der Aussage zu, dass das Privatleben unter der Arbeitsbelastung leide, bei 22 Prozent trifft dies "eher zu". Nur 2,5 Prozent der jungen Ärzte sehen gar keine Auswirkungen ihrer Arbeitsbelastung auf das private Umfeld.

Der Hartmannbund-Vorsitzende Dr. Klaus Reinhardt wertet die Ergebnisse der Umfrage als einen "Hilferuf der jungen Ärztegeneration, die so nicht mehr arbeiten will". Die Ökonomisierung des Medizinbetriebs hat nach seiner Ansicht "eine Dimension erreicht, die die Rolle des Arztes massiv verändert". Das zeigt sich beispielsweise beim Zeitaufwand für arztfremde Tätigkeiten wie das Codieren. 36,5 Prozent der Befragten müssen täglich mehr als drei Stunden für diese Tätigkeit aufwenden. Und mehr als ein Drittel (34,7 Prozent) der Befragten taxiert den Aufwand für das Codieren auf bis zu drei Stunden.

Die Bürokratisierung ärztlicher Arbeit findet ihre Kehrseite in fehlender Zeit am Patientenbett: Nur jeder vierte Assistenzarzt ist mit der Behandlungszeit, die ihm für Patienten zur Verfügung steht, (sehr) zufrieden (Schulnoten 1 und 2). 42 Prozent vergeben dagegen hier die Noten 4 und 5.

65 Prozent der im Dezember 2016 und Januar 2017 Befragten sind männlich, 35 Prozent weiblich. Zwei Drittel der Teilnehmer ist zwischen 27 und 34 Jahre alt. Die am stärksten repräsentierten Fachrichtungen sind Innere Medizin (ohne Schwerpunkt, 16,7 Prozent), Anästhesiologie (11,7 Prozent), Orthopädie und Unfallchirurgie (9,5 Prozent), Kinder- und Jugendmedizin (7,3 Prozent) und Allgemeinmedizin (5,8 Prozent).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hoffnung für Leukämiepatienten

In den USA steht die erste Gentherapie zur Behandlung von Krebskranken vor der Zulassung. Auch in Deutschland dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis es so weit ist. mehr »

Kaugummi erkennt Infektionen im Mund

Ein neuer Kaugummi-Schnelltest soll künftig dabei helfen, bakterielle Entzündungen früh im Mund zu erkennen. Die Idee ist so einfach wie hilfreich: Durch Kauen erkennt der Patient selbst, ob es ein Problem gibt. mehr »

Zwangsbehandlung nur als letztes Mittel

Das Bundesverfassungsgericht setzt enge Vorgaben für die Behandlung von nicht einsichtsfähigen Patienten gegen ihren Willen. Die Richter fordern ein Gesetz, das die Voraussetzungen für eine Zwangsbehandlung klar benennt. mehr »