Ärzte Zeitung, 14.03.2017
 

Notfallversorgung

KV Hessen will Kliniken die Hand reichen

Der Streit um die Notfallversorgung in Hessen tobt weiter. Nun bietet die KV das Gespräch an – aber nicht ohne weitere Kritik.

FRANKFURT/MAIN. Im Streit um die ambulante Notfallversorgung in Hessen hat die KV Hessen nun Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Wir sind dazu bereit und erwarten die gleiche Bereitschaft auch auf Seiten der Kliniken", sagte der hessische KV-Chef Frank Dastych am Montag. Voraussetzung für den Dialog sei aber, dass die "Falschmeldungen" aus dem Klinikumfeld enden würden. Anfang April ist laut Dastych ein Treffen von Hessischer Krankenhausgesellschaft, KV und Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) angesetzt.

Vordergründig entzündet hat sich der Streit in Hessen zum Monatsbeginn mit Einführung einer bundesweiten Sichtungsgebühr für unkritische Fälle in der Notaufnahme (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Angesichts der Geldverteilung aus dem ambulanten Honorartopf liefern sich Kliniken, KV und Marburger Bund (MB) in Hessen seither einen Schlagabtausch.

Trotz der offiziell geäußerten Dialogbereitschaft hat die KV-Spitze am Montag erneut scharf den Vorwurf ökonomischer Beweggründe der Kliniken vorgetragen. Laut Vorstands-Vize Dr. Eckhard Starke ist in Offenbach an jedem Klinikum eine Hausarztpraxis angesiedelt, die Voraussetzungen für eine sektorenübergreifende Notfallversorgung damit gegeben. "Die Strukturen sind da, nur muss sich die Klinik in diesem Fall fragen lassen, warum sie sie offensichtlich nicht nutzt", sagte Starke an das Sana-Klinikum adressiert. "Vielleicht spielen hier doch wirtschaftliche Interessen und die Notfallambulanz als ‚Staubsauger‘ für leere Klinikbetten eine viel größere Rolle als immer behauptet wird?"

Kliniken werde weiterführende Diagnostik zugestanden, "sofern diese medizinisch erforderlich ist", so Starke. Daten für das Sana-Klinikum zeigten jedoch CT-Untersuchungen für 11.000 Euro pro Quartal, die "in der Notfallbehandlung keine Rolle spielen dürften". (jk)

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Mittwoch in der "Ärzte Zeitung".

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