Ärzte Zeitung online, 05.05.2017
 

Nordrhein

Hausärzteverband erprobt vorerst kein Allgemeinarzt-MVZ

Eigentlich wollte der Deutsche Hausärzteverband in einem Modellprojekt die Möglichkeiten eines rein allgemeinmedizinischen MVZ ausloten. Daraus wird nun jedoch vorerst nichts.

Von Ilse Schlingensiepen

Hausärzteverband erprobt vorerst kein Allgemeinarzt-MVZ

Hausärztliche Versorgung unter der Lupe – auch in Nordrhein eine Herausforderung.

© Foto Flare / Fotolia.com

KÖLN. Der Deutsche Hausärzteverband hat den Plan, in einem Pilotprojekt ein Hausarzt-MVZ zu erproben, erst einmal auf Eis gelegt. "Zurzeit gibt es zu viele rechtliche und wirtschaftliche Stolpersteine, um das Projekt realisieren zu können", sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt der "Ärzte Zeitung".

Der Verband habe die neue Möglichkeit, fachgleiche MVZ gründen, zunächst als Chance gesehen. "Derzeit sind die Regularien aber noch viel zu komplex", betonte er. Faktoren wie die Anforderungen an den Betrieb der MVZ, die Haftungsregelungen oder die besonderen Plausibilitätszeiten stünden einer Umsetzung im Weg.

Deshalb wird der Deutsche Hausärzteverband das Thema erst einmal nicht mehr weiterverfolgen. "Wir werden aber beobachten, ob und wie sich die Regularien ändern und ob sich daraus neue Möglichkeiten ergeben", kündigte Weigeldt an.

Finanzielles Risiko ist zu groß

Das erste Medizinische Versorgungszentrum, das ausschließlich mit Hausärzten besetzt ist, sollte eigentlich im nordrheinischen Gummersbach an den Start gehen. Um das MVZ betreiben zu können, hätte ein Arzt aus der Region seine Zulassung einbringen müssen, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbands Nordrhein Dr. Dirk Mecking am Rande des 16. Nordrheinischen Hausärztetags in Köln. "Die Kollegen bekommen ihre Praxen aber schon jetzt nicht mehr verkauft und wollen nicht die Verantwortung für ein Zentrum und die Angestellten übernehmen." Das finanzielle Risiko sei einfach zu groß.

Der Hausärzteverband selbst könne nicht einspringen, das müssten einzelne Vorstandsmitglieder tun. "Auch die Kommunen scheuen das Risiko." Mecking hält eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen für notwendig, um neue Formen der Zusammenarbeit möglich zu machen, etwa "Private Public Partnerships" von Kommunen und Hausärzten oder Hausarztverbünden.

"Ohne Fremdkapital bekommt man die Anlaufphase nicht gestemmt", betonte Mecking. Er schätzt, dass ein Hausarzt-MVZ eine Anschubfinanzierung für rund fünf Jahre braucht. Auch dann würde es sich finanziell wohl nur lohnen, wenn 50 bis 75 Prozent der Patienten in die hausarztzentrierte Versorgung eingeschrieben sind und dem Zentrum zusätzliches Honorar bringen.

Erfolgsmerkmale herausarbeiten

Das Hausarzt-MVZ war als Maßnahme gedacht, um Versorgungsengpässe in ländlichen Regionen abzuwenden. "Wir müssen jetzt am Ball bleiben und andere langfristige Lösungen finden", sagte Mecking. Der Hausärzteverband Nordrhein nimmt deshalb jetzt drei verschiedene Praxistypen unter die Lupe, um Erfolgsmerkmale für Hausarztpraxen herauszuarbeiten. Das sind eine Einzelpraxis in Gummersbach, eine große Gemeinschaftspraxis im Jülicher Raum und eine standortübergreifende Gemeinschaftspraxis in der Eifel.

"Wir wollen zeigen, was ein erfolgreiches Modell ausmacht", erläuterte der 2. Vorsitzende des Verbands Dr. Oliver Funken. Das gebündelte Know-how soll in einen Maßnahmenkatalog fließen. Er könne niedergelassenen Hausärzten dabei helfen, ihre Praxen zu optimieren, sagte er. "Gleichzeitig kann es eine Hilfe sein, um Praxen dort zu installieren, wo es noch keine gibt."

Aus Sicht von Weigeldt wird es angesichts der großen regionalen Unterschiede keine Standardlösungen für die Sicherung der hausärztlichen Versorgung geben. "Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die wir alle nutzen sollten." Der Deutsche Hausärzteverband setzt dabei große Hoffnungen auf Entwicklungen wie den Tele-Arzt und die Tele-VERAH. Wichtige Impulse erhofft sich Weigeldt auch aus dem Forum Weiterbildung seines Verbands. "Dort können wir sehen, was die jungen Kollegen wirklich wollen."

[05.05.2017, 10:41:00]
Henning Fischer 
" Der Deutsche Hausärzteverband setzt dabei große Hoffnungen auf Entwicklungen wie den Tele-Arzt und die Tele-VERAH"
dafür braucht man stabiles schnelles Internet.

Meine Erfahrung:
im November 2016 Zwangsumstellung des Anschlusses auf IP durch die Deutsche Telekom (300 Euro investiert)

statt 50 MBit nur 16-17 MBit, mehrmals reklamiert, mehrmals von der Telekom als erledigt deklariert. Beim letzten Mal über Weihnachten 1 Woche weder Internet noch Telefon.

Aktuell Aussage der Telekom: die Leitungen bringen nicht mehr(in Herford wurde auch in unserer Straße Glasfaser verlegt). Angebot: Umstellung des Vertrags auf 16 MBit, damit auch nur das bezahlt wird, was geliefert wird.

Umstellung letzten Dienstag, seitdem 3 MBit !!

Gott sei Dank alles am Privatanschluß.

Telemedizin kann nur funktionieren, wenn die Anbieter gezwungen werden, entsprechende Leitungs- und Übertragungsqualität zu liefern. Und das ist nicht der Fall.

Angebliche Reaktionszeit der Telekom bei Störungen: 24 Stunden (oh je, Praxis 24 Stunden ohne Telemedizin!). Wenn es dann wie bei mir über eine Woche dauert, kann man nach Aussagen der Telekom einen Schaden geltend machen, wenn man ihn denn nachweisen kann.

Bevor die Anbieter nicht massiv in die Pflicht genommen werden (können) ist Telemdidizin und jeder dauerhafte Zwangs-Anbindung der Praxen ans Internet hochgradig gefährlich!
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