Ärzte Zeitung online, 22.05.2017

Baden-Württemberg

Südwest-KV warnt vor Bürgerversicherung

Der KV-Vorstand sichtet Parteiprogramme – und beklagt Reformpläne zu Lasten von Ärzten.

Von Florian Staeck

STUTTGART. Niedergelassene Ärzte sind im Wahljahr "tief verunsichert" durch die Diskussion über eine Bürgerversicherung und eine einheitliche Gebührenordnung, sagte Baden-Württemberg KV-Chef Dr. Norbert Metke bei der Vertreterversammlung (VV) am Mittwoch in Stuttgart. "Wir wollen Sicherheit und Perspektive für unsere Existenzen", forderte Metke.

Allein aus GKV-Honoraren lasse sich die Daseinsvorsorge der ambulanten Versorgung – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht stemmen, meinte der KV-Chef. Nicht vergessen werden dürfe dabei der Reformbedarf in der Privaten Krankenversicherung, mahnte Metke. Die Diskussion über einen einheitlichen Krankenversicherungsmarkt sei auch die Reaktion auf interne Probleme in der PKV-Branche.

Metke stellte den Vertretern die Reformansätze der einzelnen Parteien vor und konstatierte: "Eine fast parteienübergreifende Diskussion um andere Einnahmen- und Ausgabenstrukturen hat begonnen." Zugleich beobachte er, dass in allen Parteiprogrammen die Mitverantwortung der Patienten ausgespart werde. "Schade, dass man keinen Mut hat und Lösungen ausschließlich auf dem Rücken der ‚Leistungserbringer‘ andenkt", bedauerte Metke.Die Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS) haben jüngst die Umsatz- und Gewinneinbußen einer Abschaffung der PKV auf sechs Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Die Vertreterversammlung lehnte am Mittwoch in einer Entschließung die Einführung einer Bürgerversicherung ab. Eine Abschaffung der PKV würde insbesondere spezialisierte Facharztpraxen treffen, hieß es.

KV-Vorstandsvize Dr. Johannes Fechner verwies unterdessen in der VV auf große Probleme bei der Substitutionsversorgung im Südwesten. Das Durchschnittsalter der dort tätigen Ärzte liege bei 60,2 Jahre. Zudem habe die Zahl der Substitutionsärzte seit 2005 von landesweit 320 auf 232 abgenommen. Im gleichen Zeitraum stieg hingegen die Zahl der Patienten um fast 2000 auf zuletzt 9570. Problematisch, so Fechner, sei auch die rechtlich ungeklärte Substitution in Heimen.

Nachholbedarf sieht der KV-Vize auf drei Feldern: Erstens sollte die Vergütung bei der Konsiliarregelung pauschaliert werden. Zweitens sollten therapeutische Gespräche (GOP 01952) häufiger abrechenbar sein. Drittens warb Fechner für ein Pauschalhonorar pro Woche im Falle von Take-Home-Patienten. Diese Pauschale sollte unabhängig von der Dauer der eigenverantwortlichen Einnahme zu Hause sein, um den speziellen Betreuungsbedarf zu honorieren.

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