Ärzte Zeitung online, 21.05.2017
 

Diskussion um Notaufnahmen

MB setzt auf Gespräche mit den Kassenärzten

Die Diskussion um die Notfallversorgung köchelt weiter. Auf seiner Hauptversammlung streckte der Marburger Bund die Hand in Richtung KBV aus.

Von Christiane Badenberg

MB setzt auf Gespräche mit den Kassenärzten

Auch im Vorfeld des Deutschen Ärztetags ein Thema: Wie kann das Problem der teilweise überlaufenen Notaufnahmen an Kliniken gelöst werden?

© Holger Hollemann / dpa / picture-alliance

FREIBURG.Wie kann das Problem der teilweise überlaufenen Notaufnahmen an Kliniken gelöst werden? Diese Frage hat auch die Delegierten der Hauptversammlung des Marburger Bundes (MB) am Samstag lange beschäftigt. Dabei machte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke deutlich, dass die Klinikärzte eine gemeinsame Lösung mit den niedergelassenen Ärzten anstreben. "Wir sind an einem echten Dialog interessiert – um der gemeinsamen Sache willen. Deshalb nehmen wir das Angebot von Herrn Dr. Gassen gerne an, darüber zu sprechen, wie die Situation grundlegend verbessert werden kann", sagte Henke. Derzeit werde ein Termin für ein Treffen gesucht. Ziel sei es, Ärzte in Notaufnahmen, die immer mehr Patienten versorgen müssten, zu entlasten.

Unglückliches Vorgehen der DKG

Eine unglückliche Rolle hat bei der ganzen Diskussion nach Henkes Auffassung die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) gespielt. Nach Inkrafttreten der Abklärungspauschale von 4,74 Euro am 1. April, hatte die DKG ausgerechnet, dass mit diesem Betrag nur eine "Kontaktzeit" von zwei Minuten abgedeckt sei. Mit seiner Äußerung "Zwei-Minuten-Medizin als Vorgabe in einer Gebührenordnung ist patientenfeindlich" habe DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum die Öffentlichkeit verunsichert, kritisierte Henke. Es sei gezielt der Eindruck erweckt worden, Ärzten in der Notaufnahme würden nun nur noch zwei Minuten für die Beurteilung des Patienten zugestanden. "Dieser Eindruck ist falsch", empörte sich der MB-Chef. "Wenn es eine Abklärung von Beschwerden notwendig macht, dem Patienten mehr Zeit zu widmen, um wirklich sicher zu sein, dass keine akute Situation vorliegt, dann werden sich die Ärztinnen und Ärzte diese Zeit nehmen. Darauf können sich die Patienten verlassen", versicherte Henke.

MB will einheitliche Triage

Der Marburger Bund hatte sich erst kürzlich in einem Eckpunktepapier dafür ausgesprochen, die Notfallversorgung besser zu vernetzen und stärker zu standardisieren. Er fordert einheitliche Standards für die Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit in allen Anlaufstellen der Notfallversorgung. Dieses Triage-System müsse für Rettungsdienste, Notdienstpraxen, Notaufnahmen und Rettungsleitstellen möglichst gleich sein. Außerdem solle die Notfallversorgung aus einem gesonderten Topf finanziert werden.

Unzufrieden zeigte sich Henke mit den Ergebnissen des Masterplans 2020. Hier sei eine große Chance vertan worden. Statt sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob eine Landarztquote für eine begrenzte Anzahl an Studienplätzen hilfreich sei, hätte es eine starke Bewegung für mehr Studienplätze geben müssen, resümierte er. Leider habe die Forderung des MB und der Bundesärztekammer kaum Unterstützung durch andere Ärzte- und Studierendenverbände gefunden. Mit den derzeitigen Studienkapazitäten werde sich der Ärztemangel vor allem in der Fläche nicht beheben lassen. "Ich wünsche mir, dass wir in der nächsten Legislaturperiode einen neuen Anlauf unternehmen und gemeinsam mit dem Hausärzteverband die Politik im Bund und in den Ländern davon überzeugen, dass ein Ausbau der Studienplatzkapazitäten um mindestens zehn Prozent notwendig ist", so der MB-Chef.

Vorgestellt wurde in Freiburg die MB-Kampagne "#Mehr Zeit". Unter anderem in Videoclips berichten Ärzte eindringlich, wie sehr sie der permanente Zeitmangel belastet und zu welchen Konsequenzen er führt.

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Marburger Bund: Einheitliche Triage für Notfallversorgung

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