Ärzte Zeitung online, 25.05.2017

Berlin

Krankes Kind? In Berlin heißt das: Warten

Mehr Fachkräfte sind nötig, damit Eltern schneller Termine in einer Kinderambulanz erhalten.

BERLIN. Sechs bis neun Monate warten Eltern in Berlin im Durchschnitt auf ein Erstgespräch in einer interdisziplinären Kinder- und Jugendambulanz (KJA) oder einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ). Das geht aus der Antwort der Berliner Familienstaatssekretärin Sigrid Klebba auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz hervor. "Für eine Verkürzung von Wartezeiten ist die Einstellung zusätzlicher Fachkräfte erforderlich. Der Senat befindet sich hierzu in den notwendigen Abstimmungen", so Klebbas Antwort weiter.

In SPZ und KJA arbeiten neun verschiedene Berufsgruppen an der Versorgung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Betreuung von Minderjährigen mit dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Von den 230 Planstellen (Vollzeit) für Kinderärzte, Psychologen, Sozialpädagogen, Ergo-, Physio- und Musiktherapeuten, Logopäden, Heilpädagogen und Arzthelferinnen waren zuletzt 225 besetzt, wie aus der Antwort hervorgeht. Sie versorgten im Jahr 2015 insgesamt 7589 und im vergangenen Jahr 8869 Kinder und Jugendliche.

Rund ein Drittel der Kinder war noch nicht im Schulalter. Mehr als die Hälfte aller kleinen Patienten erhielten Heilmittel, über 20 Prozent Hilfsmittel und rund 23 Prozent Medikamente verordnet. Bis zu zwei Drittel der Kinder werden ambulant in der KJA oder dem SPZ versorgt. Knapp ein Viertel erhält mobile Therapie-Maßnahmen in der Kindertagesstätte, und jedes sechste Kind erhält ambulante und mobile Therapie in Kombination. Die Statistiken beziehen sich nur auf die KJA und SPZ in öffentlicher Trägerschaft. "Für eine Einschätzung der Berliner Situation wäre auch die Darstellung der Situation der SPZ an den Kliniken wichtig. Berlin wächst und die Bedarfe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien eben auch", meint die Grünenpolitikerin Burkert-Eulitz . Sie fordert, dass die Versorgungsstruktur ausgebaut werden müsse. (ami)

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