Ärzte Zeitung online, 05.07.2017
 

Hessen

Uniärzte wollen 6,2 Prozent mehr

Der MB präsentiert die Tarifforderungen und eine Umfrage, die zeigt, wie hoch die Arbeitsbelastung ist.

FRANKFURT/MAIN. Der Marburger Bund fordert 6,2 Prozent mehr Gehalt an hessischen Unikliniken. Zudem sollen die Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit deutlich angehoben werden. Die Tarifverhandlungen mit dem Land Hessen für die etwa 2000 Ärzte beginnen am 5. Juli in Wiesbaden.

Zeitgleich mit den Tarifforderungen hat der MB eine Umfrage veröffentlicht, die zeigt, dass viele Uniärzte mit ihren Arbeitsbedingungen hadern. So gaben fast 90 Prozent der teilnehmenden Ärzte an, bei der Patientenversorgung regelmäßig unter Zeitdruck zu stehen. Hauptsächlich, weil es an Personal fehlt. Mehr als drei Viertel der Ärzte sind so belastet, dass sie häufig im wahrsten Sinne des Wortes pausenlos arbeiten müssen. Fast 80 Prozent fühlen sich durch die erheblichen Belastungen gesundheitlich beeinträchtigt. Vielen setzt vor allem zu, dass sie wegen der dünnen Personaldecke kurzfristig Dienste von Kollegen übernehmen müssen. "Wen wundert es, dass 73 Prozent angeben, keine ausgewogene Work-Life-Balance zu haben. Ärztinnen und Ärzte brauchen daher unbedingt bessere Regelungen bei der Übernahme ungeplanter Dienste", kommentiert der Geschäftsführer des MB-Hessen, Andreas Wagner, die Umfrageergebnisse.

Unzufrieden sind viele Uniärzte auch mit den Forschungsbedingungen. So können 90 Prozent nie oder nur selten während der Dienstzeit forschen. Zweidrittel widmen sich nach einem 24-Stunden-Dienst der Forschung. 36 Prozent beklagen, dass sie während der Lehrtätigkeit unverhältnismäßig häufig wegen Fragen zur Patientenversorgung unterbrochen werden.

Überstunden, die durch Forschungsarbeit entstehen, können über 90 Prozent nicht ausgleichen. Bei Lehrtätigkeiten gilt das für 70 Prozent. "Es kann nicht sein, dass Ärztinnen und Ärzte Forschung und Lehre mit unbezahlten Überstunden unterstützen", kritisiert Geschäftsführer Wagner. An der Umfrage haben sich 315 Ärzte aus hessischen Unikliniken beteiligt. (chb)

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