Ärzte Zeitung online, 12.07.2017
 

Schleswig-Holstein

Hausarztzentren sollen Land-Versorgung stützen

Der Instrumentenkasten, um die ambulante Versorgung zu stärken, ist groß. Der KV-Vorstand hat einen klaren Favoriten: Hausarztzentren. Doch Hausärzte zögern häufig noch.

Von Dirk Schnack

Hausarztzentren sollen Land-Versorgung stützen

Oft keine Idylle: Hausarztzentren sollen den Arztmangel auf dem Land abschwächen.

© fotokostic / Getty Images / iStock

KIEL. Delegation, Telemedizin, Zweigpraxen – viele Instrumente, die im Norden einer besseren Versorgung dienen, zählen auch in anderen Regionen zum Repertoire. Zur Woche der ambulanten Versorgung präsentierte die KV Schleswig-Holstein aber auch Ideen und Projekte, die in anderen Regionen so noch nicht verbreitet sind.

Bekannt ist schon das kommunale Ärztezentrum in Büsum, das mit massiver KV-Unterstützung gegründet wurde und als bundesweiter Pionier gilt. Zwar sind derzeit weitere Kommunen an einer Trägerschaft von Ärztezentren interessiert, die Umsetzung aber ist schwer.

Auch in Schleswig-Holstein wünscht man sich mehr davon, wie KV-Chefin Dr. Monika Schliffke sagte: "Wir hätten solche Zentren gerne noch an ein, zwei mehr Standorten."

Wie die Spinne im Netz

Ihr Favorit aber sind Hausarztzentren auf dem Land, die von Ärzten selbst geführt werden. Diese sollen wie eine Spinne im Netz von einer Kleinstadt aus agieren und mit Einsatz von Zweigpraxen, Telemedizin, fachärztlichen Sprechstunden, angestellten Kollegen und nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen die Versorgung einer ganzen Region steuern.

Solche Zentren könnten den zu erwartenden Ausfall von Einzelpraxen auf dem Land kompensieren, weil in ihnen mehrere Ärzte tätig sind. Ihr Einzugsgebiet bemisst sich nach der Entfernung, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch akzeptabel bewältigt werden kann. "Man muss das Gebiet noch im wahrsten Sinne des Wortes ‚er-fahren‘ können", sagte Schleswig-Holsteins Hausärztechef Dr. Thomas Maurer. Dazu könnten auch Patientenbusse eingesetzt werden.

Er betreibt selbst ein solches Hausarztzentrum im nordfriesischen Leck. Im ganzen Bundesland gibt es bislang fünf solcher Zentren. Maurer erwartet, dass seine Kollegen zunehmend bereit sein werden, die mit dem Betrieb solcher Einrichtungen erforderlichen unternehmerischen Aufgaben zu erfüllen.

KV-Chefin Schliffke betonte: "Wir schulen und fördern Ärzte, die daran Interesse zeigen."

Beide räumten aber ein, dass sich Hausärzte in der Vergangenheit seltener als Fachärzte aufgeschlossen für entsprechende unternehmerische Tätigkeiten gezeigt haben. Dies äußert sich in der Zahl der Zweigpraxen im Norden. Von den insgesamt 270 Zweigpraxen in Schleswig-Holstein werden 210 von Fachärzten betrieben.

Keine Generationenschelte

Kein Problem sieht Maurer in der Einstellung der nachkommenden Ärztegeneration. Der Hausarzt beobachtet in der nachfolgenden Generation viele Ärzte, die etwas bewegen wollen und die auch bereit sind, in Praxen Verantwortung zu übernehmen – wenn sie entsprechend angeleitet werden.

Auch Schliffke hält das ambulante System mit freiberuflicher Struktur und Selbstverwaltung nach wie vor für leistungsfähig und innovativ genug, um die Versorgung auf dem Land zu sichern. Zu neuen Strukturen, mehr Kooperationen und engagierten Ärzten könne die KV beitragen.

Diese Bemühungen könnten aber nur erfolgreich sein, wenn der ländliche Raum als Lebens- und Arbeitsort attraktiv bleibe: "Wo Schulen und Polizeistationen geschlossen und ÖPNV-Fahrpläne ausgedünnt werden, wird es auch für Ärzte nicht attraktiver."

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