Ärzte Zeitung online, 14.07.2017
 

Landarztquote

Unser Überblick zeigt alle Länderpositionen

Bis zu zehn Prozent der Studienplätze gehen an Nachwuchsmediziner, die sich für eine Tätigkeit auf dem Land verpflichten: Diese Möglichkeit räumt der Masterplan Medizinstudium 2020 den Ländern ein. Doch machen sie auch Gebrauch davon? Die "Ärzte Zeitung" hat nachgefragt.

Von Jana Kötter

Länder zögern noch

Voller Hörsaal: Der Masterplan ändert die Zulassung.

© Jan Woitas/Dpa

Baden-Württemberg

Quote als „Ultima ratio“

Das baden-württembergische Gesundheitsministerium betont, es werde die „mit dem Masterplan vorliegenden Chancen gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium kraftvoll umsetzen“.

Aber: Während die Maßnahmen zur Stärkung der Allgemeinmedizin als sinnvoll erachtet werden, ist die Quote aus baden-württembergischer Sicht nur „die Ultima ratio“. „Wir wollen zunächst alle anderen Maßnahmen ganz konsequent umsetzen“, heißt es. Dazu gehöre auch ein Modellprojekt, mit dem das Land Stipendien für junge Mediziner für den ländlichen Raum erproben will.

Die entsprechenden Mittel dafür seien bereits im Haushalt eingestellt, das Konzept werde derzeit im Ministerium für Soziales und Integration erarbeitet.

Bayern

Bayern will 2018/19 starten

Bayern möchte „als eines der ersten Länder“ tätig werden, erklärt Gesundheitsministern Melanie Huml (CSU) auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“.

Bis zu fünf Prozent aller Medizinstudienplätze im Freistaat sollen künftig für Studierende vorgehalten werden, die sich für mindestens acht Jahre für die Allgemeinmedizin in unterversorgten Regionen verpflichten – und das bereits ab dem Wintersemester 2018/19.

Das Kabinett hat den entsprechenden Zeitplan von Gesundheitsministerin Huml und Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch begrüßt. „In einem ersten Schritt muss die Vergabeverordnung der Stiftung für Hochschulzulassung entsprechend geändert werden. Anschließend wird das Wissenschaftsministerium die Hochschulzulassungsverordnung ändern“, so Huml.

Berlin

Berlin sieht sich gut versorgt

Berlin will von der Option einer Landarztquote, die der Masterplan Medizinstudium 2020 einräumt, keinen Gebrauch machen. „Aufgrund des hohen Versorgungsgrads durch niedergelassene Ärzte macht eine Landarztquote für das Land Berlin wenig Sinn.“, erklärt Oliver Fey, Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit, auf Anfrage.

Auch wenn seine Behörde für die Landarztquote zuständig ist, so liegt die Verantwortung für die anderen Maßnahmen des Masterplans übrigens – wie in allen anderen Ländern – bei der Wissenschaftsverwaltung

Brandenburg

Keine Uni, keine Quote

 

Das Land Brandenburg verfügt über keine staatliche Medizinerausbildung. Daher könnte eine mögliche Landarztquote hier auch nicht eingeführt werden, sondern allenfalls im benachbarten Berlin.

Eine Meinung hat Brandenburg zur Quote trotzdem: „Aus unserer Sicht kann das ein praktikables Instrument unter mehreren sein, Versorgungslücken in den ländlichen Regionen zu schließen“, sagt Gabriel Hesse, Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Für Brandenburg ist das vor allem in den berlinfernen Landesteilen eine bedeutende Herausforderung.

Bremen

„Landarztquote entfällt für uns“

Bremen ist – wie das Land Brandenburg – in einer Sonderstellung, wenn es zur Umsetzung der Maßnahmen aus dem Masterplan Medizinstudium 2020 geht: In Bremen wird kein Medizinstudium angeboten, „daher entfällt für uns die Landarztquote“, heißt es auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ aus dem Gesundheitsministerium.

Die Versorgung im ländlichen Raum ist trotzdem Thema im Stadtstaat: Gemeinsam mit der angrenzenden KV Niedersachsen sind unter anderem Projekte zur Gewinnung von Landärzten für die angrenzenden Regionen durchgeführt worden.

Hamburg

Stadtstaat mit klarem Nein

Die Antwort aus Hamburgs Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz ist kurz und deutlich: „Die Einführung einer Landarztquote ist derzeit nicht beabsichtigt“, teilt Behördensprecher Rico Schmidt auf Anfrage mit.

Auch entsprechende Erfahrungen mit der Vergabe von Studienplätzen an Bewerber, die sich für den ländlichen Raum verpflichten, bestehen in dem Stadtstaat nicht.

Drohende Unterversorgung im ländlichen Raum ist hier kein Thema; vielmehr richtet sich das Augenmerk auf von Unterversorgung bedrohte soziale Brennpunkte in Stadtgebieten

Hessen

Hessen sieht keine Not

Die hessische Landesregierung sehe „derzeit nicht die Notwendigkeit, von der Option einer Landarztquote Gebrauch zu machen“, teilt das Landeswissenschaftsministerium mit. Es verweist auf den Hessischen Gesundheitspakt 2.0 und die darin enthaltenen Maßnahmen, die das Problem bereits adressierten.

Im Pakt enthalten ist eine Reihe von Fördermaßnahmen mit einem Volumen von rund 2,5 Millionen Euro jährlich. Unter anderem werden laut Ministerium derzeit jährlich etwa 220 Medizinstudierende während ihrer Famulatur in einer ländlichen Hausarztpraxis gefördert

Mecklenburg-Vorpommern

„Quote kann Chance sein“

Die Option einer Landarztquote wird „begrüßt“, man befinde sich aktuell jedoch noch in Prüfung, teilt das zuständige Bildungsministerium mit. „Die Option kann eine wichtige Möglichkeit sein, dafür zu sorgen, dass Studierende der Medizin nach Abschluss ihrer Ausbildung auf dem Land arbeiten“, so Ministeriumssprecher Henning Lipski.

Darüber hinaus startet das Gesundheitsministerium zum Wintersemester 2017/18 eine neue Förderrichtlinie (eine Million Euro für fünf Jahre). Studierende, die sich für eine Niederlassung auf dem Land verpflichten, werden mit 300 Euro im Monat gefördert.

Niedersachsen

Prinzipiell ja, nun in Prüfung

Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) hat sich grundsätzlich für eine Landarztquote ausgesprochen. Gemeinsam mit allen Beteiligten in Niedersachsen sei sie sich einig, dass jetzt die Option der Landarztquote in Niedersachsen „intensiv geprüft“ werden muss, teilt das Landesgesundheitsministerium auf Anfrage mit.

Die flächendeckende medizinische Versorgung habe für sie höchste Priorität, so Rundt. Bereits heute würden daher Maßnahmen mit mehr als einer Million Euro pro Jahr gefördert werden, um die Versorgung auf dem Land sicherzustellen.

Nordrhein-Westfalen

Quote soll kommen

Die neue Regierung von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen will die Zahl der Medizinstudienplätze erhöhen und eine Landarztquote einführen: Bis zu zehn Prozent der Studienplätze sollen Studierende erhalten, die sich verpflichten, nach dem Studium für eine gewisse Zeit – laut Koalitionsvertrag „bis zu zehn Jahre“ – in eine unterversorgte Region zu gehen. Das ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben, der Mitte Juni verabschiedet wurde.

In der Verhandlungsrunde zum Thema Gesundheit hatten CDU und FDP dringenden Handlungsbedarf im Bereich der hausärztlichen Versorgung festgestellt. In Bielefeld soll etwa eine neue medizinische Fakultät entstehen, die einen Schwerpunkt in der Allgemeinmedizin hat. Für sie will Schwarz-Gelb zunächst 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Zum Koalitionsvertrag

Rheinland-Pfalz

Diskussion nicht beendet

Die Landarztquote scheint „ein Ansatz, um künftige Ärztegenerationen für eine Tätigkeit auf dem Land zu gewinnen“, heißt es aus dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium vorsichtig. Der Diskussionsprozess zu Für und Wider sei aber „noch nicht abgeschlossen“.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Masterplans wurde eine Projektgruppe zwischen Gesundheits- und Wissenschaftsressort initiiert. Diese untersucht alle Masterplan-Maßnahmen, „wann, wie, durch wen und mit welchen finanziellen Folgen sie umgesetzt werden können“, erklärt Sprecherin Stefanie Schneider. „Dieser Prozess läuft.“

Saarland

Koalition will „aktiv begleiten“

Die neue Landesregierung ist erst seit wenigen Wochen im Amt, „weshalb noch keine endgültigen Entscheidungen zur konkreten Umsetzung der Landarztquote getroffen werden konnten“. Das erklärt das Landesgesundheitsministerium auf Anfrage.

Aber: Im Anfang Mai geschlossenen Koalitionsvertrag für 2017-2022 ist festgehalten, dass die Koalitionspartner die Umsetzung des Masterplans „aktiv begleiten“ und „darauf hinwirken werden, dass der Zugang für Studierende zum Studiengang Medizin durchlässiger wird“.

Sachsen

Noch keine Entscheidung

Sachsen „hat noch keine Entscheidung über die Einführung einer Landarztquote getroffen“, teilt das Gesundheitsministerium mit. Erfahrungen mit der Vergabe von Studienplätzen an Bewerber, die sich für ländliche Regionen verpflichten, bestehen bereits: Schon 2008 bis 2012 hat der Freistaat gemeinsam mit KV und Kassen eine entsprechende Studienbeihilfe von 300 bis 600 Euro gewährt.

Es wurden 50 Studierende gefördert, von denen heute 39 in allgemeinmedizinischer Weiterbildung sind. Es bleibt abzuwarten, wie viele den Schritt in die Niederlassung machen.

Sachsen-Anhalt

Arbeitsgruppe startet im Juli

Schon vor dem Masterplan hat Sachsen-Anhalt eine Quote einführen wollen: eine „Landeskinderquote“ für aus Thüringen stammende Bewerber. Eine solche Landeskinderquote sei rechtlich jedoch problematischer als die Landarztquote, sagt nun Ute Albersmann, Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

Gemeinsam mit den Wissenschaftskollegen wurde daher eine interministerielle Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Einführung der Landarztquote befassen wird. Daran beteiligt sind auch medizinische Fakultäten, Ärztekammer und KV. Die erste Sitzung sollte Anfang Juli stattfinden.

Schleswig-Holstein

Landarztquote nun im Koalitionsvertrag

Die neue Regierung von CDU, FDP und Grünen in Schleswig-Holstein hat sich die Landarztquote in den Koalitionsvertrag geschrieben: „Um die Bindung der Studierenden an unser Bundesland zu erhöhen, werden wir zehn Prozent der Medizinstudienplätze an Personen vergeben, die sich nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung verpflichten, als Ärztin oder Arzt in unterversorgten Regionen zu praktizieren“, steht darin. Nicht konkretisiert ist bislang, für welchen Zeitraum die Verpflichtung gelten soll. Im Masterplan ist ein Fenster von bis zu zehn Jahren festgeschrieben.

 

Die KV Schleswig-Holstein kritisiert die geplante Vorgabe scharf. "Das ist die Gröhesche Landarztquote, zu der wir weder von der Realitätsnähe noch vom Sinn überzeugt sind", sagte KV-Chefin Dr. Monika Schliffke in der Abgeordnetenversammlung im Juni.

 

Ergänzend will das Land Schleswig-Holstein „die Vergabe von (Landes-)Stipendien an diejenigen prüfen, die sich für die Niederlassung in bestimmten Landesteilen verpflichten wollen“.

 

Zum Koalitionsvertrag

Thüringen

Debatte steht erst am Anfang

Grundsätzlich befürwortet Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) die Erprobung einer Landarztquote. Die Meinungsbildung innerhalb der Landesregierung „steht erst am Anfang“, berichtet jedoch Stephan Krauß, Sprecher des Wissenschaftsministeriums. „In der Diskussion wird es um den Bedarf gehen, der konkret beziffert werden muss, und um die rechtlichen Voraussetzungen.“

Dazu gehöre etwa die Frage nach der Einhaltung der Verpflichtung und möglichen Sanktionierungen bei Nichteinhaltung. Einen Zeitrahmen für nächste Schritte könne das Ministerium daher noch nicht nennen.

Lesen Sie dazu auch:
Landarztquote: Keine einheitliche Umsetzung

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