Ärzte Zeitung online, 10.08.2017

Pflege

Ministerium ist keine Lösung

Ein Kommentar von Martina Merten

Im ersten Moment klingt der Vorschlag des Arbeitgeberverbandes Pflege recht gut: ein eigenständiges Altenpflegeministerium. Endlich eine Instanz, eine große, die der Bedeutung des rasanten demografischen Wandels gerecht würde. Am besten ein riesiger Apparat, denn die Zahl der Pflegebedürftigen wächst unaufhörlich. 3,4 Millionen sollen es bis 2030 sein. 48 Prozent davon, sagen Berechnungen voraus, sind 85 Jahre und älter. Alt also.

Was aber könnte ein solches Ministerium schaffen, das das Bundesgesundheitsministerium und das Familienministerium – die beiden federführenden Ministerien im Reformprozess derzeit – nicht zu schaffen vermögen? Und wie lange würde es überhaupt dauern, bis ein solches Haus funktionsfähig wäre? Alle Zuständigkeiten geklärt, alle Pöstchen verteilt, alle gesetzlichen Grundlage geschaffen wären? Über Nacht kann das nicht geschehen. Jahre vergingen, wie die Einrichtung diverser Institute im Gesundheitswesen zeigt.

Aber nicht nur das. Welches Signal würde die Politik setzen, wenn sie ein Altenpflegeministerium, nicht aber ein Kinderpflege- oder Krankenpflegeministerium schafft? Mal ganz abgesehen von den vielen anderen Bereichen, die ebenfalls wichtig sind. Der Vorschlag bleibt daher wohl unrealistisch.

Lesen Sie dazu auch:
Arbeitgeberverband: "Eigenes Altenpflegeministerium ist nötig"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »