Ärzte Zeitung online, 18.08.2017

Baden-Württemberg

Lucha will mehr Kooperation in der Versorgung!

Baden-Württembergs Gesundheitsminister wertet die Impulse für mehr Zusammenarbeit, die von den Selektivverträgen der AOK ausgehen, als wichtig.

PFEDELBACH. Die einfache Abrechnung im Hausarzt-Programm der AOK Baden-Württemberg, des Hausärzteverbandes und Medi ist nach Ansicht von Dr. Susanne Bublitz "ein unschlagbarer Vorteil".

In zwei Stunden sei die Quartalsabrechnung erledigt, sagte die Allgemeinärztin. Sie betreibt zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Petra Sandig seit 2011 in Pfedelbach bei Öhringen (Hohenlohekreis) eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis .

Von den 2300 Patienten der Praxis seien etwa 1300 in einen Hausarztvertrag eingeschrieben, davon sind rund 1000 bei der AOK versichert, berichtete Bublitz dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha (Grüne), der auch für das Thema Gesundheit zuständig ist.

Bei einem Besuch in der Gemeinschaftspraxis informierte sich Lucha vor Ort über die Umsetzung der Haus- und Facharztverträge der AOK.

"Rolle des Hausarztes wird sich ändern"

"Wenn man im ländlichen Raum die medizinische Versorgung auf hohem Niveau halten oder noch verbessern will, wird sich die Rolle des Hausarztes ändern", sagte Lucha. Um einer älter werdenden Bevölkerung auch auf dem Land eine gute gesundheitliche Versorgung sicherstellen zu können, sollten Haus- und Fachärzte, Pflegedienste und weitere Organisationen noch enger zusammenarbeiten. Die Anstrengungen der AOK gäben dafür wichtige Impulse, so Lucha.

Unter Hinweis auf das seit neun Jahren bestehende AOK-HausarztProgramm und die angeschlossenen Facharztverträge erklärte Dr. Christopher Hermann, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, durch die Verträge habe sich die Versorgung für 1,5 Millionen eingeschriebene AOK-Patienten nachweislich verbessert. Allein bei kardiologischen Patienten würden dank einer strukturierten Versorgung rund 4000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr vermieden.

Derzeit nehmen landesweit mehr als 4000 Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte und über 1700 Fachärzte und Psychotherapeuten an den AOK-Verträgen teil. Von den im Hohenlohekreis tätigen 80 Hausärzten sind es 47, so Hermann.

Jeder Zweite im Hausarzt-Vertrag

Von den AOK-Versicherten im Landkreis hat sich nach Angaben der Kasse jeder zweite in den Hausarztvertrag und jeder fünfte in das Facharzt-Programm eingeschrieben. Innovative und eng vernetzte Versorgungsangebote sollten von der Politik stärker unterstützt werden, forderte der AOK-Chef.

Der in Öhringen niedergelassene Kardiologe Dr. Friedhelm Gerst, der seit 2011 am Facharztvertrag Kardiologie teilnimmt, verwies auf die positiven Wirkungen. "Im Facharzt-Programm hat der Arzt mehr Zeit, vor allem für schwer kranke Fälle. Das ist ein Grund für die Abnahme unnötiger Klinikeinweisungen", sagte Gerst.

Ein weiterer Vorteil sei das eng abgestimmte Medikamenten-Management zwischen Haus- und Facharzt, das zu einer Harmonisierung der Verordnungen beitrage. "Die Patienten wissen das zu schätzen, weil es dadurch zu weniger Umstellungen kommt", betonte Gerst. (sto)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Die Gründe: Übermäßiger Einsatz von Antibiotika und Mängel bei der Infektionskontrolle. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »