Ärzte Zeitung online, 21.08.2017
 

EBM/Palliativmedizin

Keine Ausgrenzung

Ein Kommenatar von Hauke Gerlof

Sollte eine Fachgruppe allein für sich beanspruchen können, die allgemeine palliativmedizinische Betreuung zu übernehmen? Diese Frage drängt sich geradezu auf angesichts der heftigen Kritik des Hausärzteverbands an den neuen Leistungen im EBM, das im nächsten Quartal in Kraft treten wird.

Die Antwort kann angesichts der Herausforderungen an eine adäquate Betreuung in der letzten Lebensphase nur lauten: Nein, diese Aufgabe ist interdisziplinär besser zu bewältigen. Und genau dafür werden die Krankenkassen ab Oktober zusätzliches Geld zur Verfügung stellen. Der neue EBM-Abschnitt macht Leistungen der allgemeinen Palliativmedizin anderen Fachgruppen zugänglich, es wird keine Fachgruppe ausgeschlossen, auch die Hausärzte nicht, und das ist auch richtig so. Denn selbstverständlich sollte auch ein Internist und Schmerztherapeut, der also kein Hausarzt ist, die Koordination der palliativmedizinischen Leistungen für seit Langem intensiv betreute Patienten übernehmen – und abrechnen – dürfen. Es gibt keinen Grund, diesen Part nur Hausärzten zuzubilligen.

Also viel Lärm um nichts? Man wird sehen. Ob die neuen Leistungen von den Vertragsärzten angenommen und die Versorgung Sterbender verbessern, ist noch nicht ausgemacht. Werden die Qualifikationsanforderungen von vielen Ärzten als zu hoch empfunden, dann wird das neue Unterkapitel keine Erfolgsgeschichte.

Lesen Sie dazu auch:
Palliativmedizin: Hofmeister betont die Rolle der Hausärzte

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