Ärzte Zeitung online, 11.09.2017

10. Deutscher Internistentag

Internisten: "Wir wollen den Hausärzten nichts wegnehmen"

Den Hausarzt als Gatekeeper? – Das würde die freie Arztwahl aushebeln, sind sich die Internisten sicher. Sie fordern daher, auch in der Grundversorgung die Versorgungsgrenzen aufzuheben.

Von Rebekka Höhl

BERLIN.Seit Monaten schwelt der Disput zwischen Haus- und Fachärzten um die Grundversorgung. Beim 10. Deutschen Internistentag rief der Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten (BDI), Dr. Hans-Friedrich Spies, die Hausärzte im Vorfeld des Hausärztetages zu mehr Kompromissbereitschaft auf.

Mit der vom BDI unterstützten Neuordnung der Grundversorgung, die Fachärzte wie Kinderärzte oder Facharzt-Internisten ohne Schwerpunkt als Primärärzte mit einbeziehe, versuche man, die gelebte Versorgungsrealität abzubilden und zukunftsfähig zu machen. Erst kürzlich hatte der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) mit einer Wartezimmerplakat-Aktion neues Öl ins Feuer gegossen (wir berichteten). Hauptstreitpunkt ist das Papier "Fachärzte in der Grundversorgung" des SpiFa. Es war im August von Gesundheitspolitikern überwiegend skeptisch kommentiert worden.

"Wir brauchen die Allgemeinärzte", stellte Spies klar, vor allem für die Versorgung der zunehmend multimorbiden Patienten. Aber die Patienten müssten auch die Möglichkeit haben, einen grundversorgenden Facharzt direkt aufzusuchen. Würde das Gatekeeper-Modell scharf gestellt, würde das die Situation nicht verbessern, so Spies.

"Die freie Arztwahl muss erhalten bleiben, auch im fachärztlichen Bereich", forderte auch der 2. BDI-Vizepräsident Dr. Ivo Grebe, der selbst als hausärztlicher Internist tätig ist. "Es ist unser Anliegen, da niemandem etwas wegzunehmen", sagte Grebe. Gelebte Realität sei jedoch, dass bereits heute die hausärztlich tätigen Internisten fast 30 Prozent der hausärztlichen Versorgung abdeckten. Die absehbaren Lücken in der wohnortnahen Versorgung ließen sich nur gemeinsam mit den Fachärzten vermeiden. "Wenn man den Ist-Zustand beibehält, können keine Leistungen verschoben werden", versuchte Spies die Sorgen der Hausärzte aufzufangen.

Funktionieren kann die neugedachte Grundversorgung laut BDI nur, wenn die entsprechenden Leistungen ausbudgetiert und zu festen Preisen vergütet werden. Auch hier besteht Konsens mit dem SpiFa. Grebe kann sich etwa ein Modell mit Einzelleistungen, ähnlich wie bei der hausarztzentrierten Versorgung (HzV) vorstellen. Allerdings soll es keine Einzelverträge geben, sondern die Versorgung weiter über die KV laufen.

Forderungen des BDI

- Zum zehnten Jubiläum seines Internistentages hat der BDI die Sektorgrenzen im deutschen Gesundheitswesen zum zentralen Thema gemacht. Auch anlässlich der Bundestagswahl.

- Das strikt gegliederte System sei medizinisch – durch die zunehmende Multimorbidität und den Fortschritt – nicht mehr abbildbar. Das betreffe die Grenzen ambulant/stationär sowie Hausarzt/Facharzt.

- Die überbordende Bürokratie müsse zurückgeführt werden, und es müssten alternative Vergütungsregelungen her.

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