Ärzte Zeitung online, 29.09.2017
 

Saarland

KV-Führung will sich mehr "unters Volk" mischen

Die KV-Spitze im Saarland will sich nach den Ergebnissen einer Mitgliederumfrage mehr an der Basis blicken lassen. Weitere Versprechen: Mehr Beratungsangebote und kein Zwang zur Online-Kommunikation für Vertragsärzte.

Von Andreas Kindel

KV-Führung will sich mehr „unters Volk“ mischen

Kontaktaufnahme: Vertragsärzte wünschen sich mehr Austausch mit der KV-Führung.

© Thomas von Stetten / Fotolia

SAARBRÜCKEN. Im Saarland will sich die KV-Spitze wieder mehr an der Ärzte-Basis blicken lassen. Das hat der saarländische KV-Vorsitzende Dr. Gunter Hauptmann bei der jüngsten Vertreterversammlung in Saarbrücken angekündigt.

"Wir können nicht alle 2100 KV-Mitglieder jedes Jahr besuchen", sagte Hauptmann. "Wir wollen aber wieder mehr unters Volk gehen." Eine Idee: Einmal im Quartal gemeinsam mit der Ärztekammer den KV-Mitgliedern vor Ort zu aktuellen Themen Rede und Antwort stehen.

Was im "Ideenspeicher" der KV steht

Anlass für die Ankündigung ist das Ergebnis einer Befragung der über 2000 KV-Mitglieder an der Saar im Mai und Juni dieses Jahres. Daran hatten sich mehr als 600 Ärzte beteiligt. "Es gab keine Fundamentalkritik", so Hauptmann. "Wir sind mit den Ergebnissen zufrieden". Doch es gab drei konkrete Wünsche von der Basis: Mehr Nähe zur KV-Führung, kein Zwang zur Online-Kommunikation und mehr Beratung.

Zwar hat die KV bereits viele Beratungsangebote parat. "Doch die Quote derer, die gesagt haben ‚Das kenne ich nicht‘ war relativ hoch", erläuterte Hauptmann. Jetzt wolle man sich nochmals besonders um Angebote für Neu-Mitglieder und "Refresher-Kurse" für die älteren Mitglieder kümmern und dies auch möglichst gut bekannt machen. Zusätzlich im Idee-Speicher der KV-Führung: Begleitung anbieten bei Hygiene-Begehungen der Behörden in den Praxen sowie ein EDV-Check-up vor Ort, wenn Vertragsärzte wissen wollen, wie sie die IT in ihrer Praxis verbessern können.

Allen Vertragsärzten, die Sorgen wegen der zunehmenden KV-Kommunikation per Internet geäußert hatten, versicherte die KV-Führung, dass der gewohnte Papierweg auch in Zukunft nicht abgeschafft wird. Aber Hauptmann räumte ein: "Mein Ziel ist es schon, dass Sie die Abrechnungen nicht mehr per Post bekommen, sondern in Ihrem Portal finden". Das habe viele Vorteile. So könne man auch ältere Abrechnungen immer wieder leicht am Rechner abrufen.

Luft nach oben bei Kommunikation

Die Diskussion in der Vertreterversammlung zeigte, dass auch die Kommunikation zwischen den niedergelassenen Ärzten noch verbessert werden kann. Der Allgemeinmediziner Thomas Rehlinger aus Wadern (Landkreis Merzig-Wadern) wünschte sich zum Beispiel bessere Absprachen über die Arztbriefe. "Von einigen Kollegen bekomme ich sehr viele Informationen, von anderen gar nichts" sagte er. Der VV-Vorsitzende, der Kardiologe Dr. Dirk Jesinghaus aus Saarbrücken, schlug "präzisere und schnelle Informationen" vor. Die Hausärztin Dr. Bettina Jung meinte, manchmal reichten schon zwei, drei Punkte. "Es muss nicht immer ein langer Brief sein".

Was von den Vorschlägen der KV-Führung und der Vertreterversammlung in die Praxis umgesetzt wird, soll im November auf einer Klausurtagung beschlossen werden. Für das kommende Frühjahr hat die KV bereits eine Zufriedenheitsumfrage unter den Arzthelferinnen angekündigt.

Dabei brauchen die Vertragsärzte keine Bange haben, dass sie von ihrem Praxisteam demnächst benotet werden. Vielmehr soll ermittelt werden, wie zufrieden die Medizinischen Fachangestellten mit der KV sind. "Die Helferinnen haben extrem viel Kontakt zu uns", sagte KV-Chef Hauptmann. "Da kann die Umfrage ihre Arbeit nur erleichtern".

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