Ärzte Zeitung online, 02.10.2017

Hausärzteverband

Quereinsteiger werden stärker unterstützt

Heute noch Facharzt, morgen Hausarzt? Der Hausärzteverband will beim Wechsel helfen.

DÜSSELDORF. Der Deutsche Hausärzteverband will Ärzte unterstützen, die von einer fachärztlichen in die hausärztliche Tätigkeit wechseln möchten. "Wir müssen sehen, wie wir beim Quereinstieg helfen können", sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt beim Kongress für Allgemeinmedizin in Düsseldorf. Hausärzte hätten eine große Bedeutung für die Patienten und das Funktionieren des Gesundheitssystems, so Weigeldt.

Im Moment sei es allerdings nicht möglich, den Bedarf allein mit Allgemeinmedizinern zu decken. Auf der Suche nach alternativen Maßnahmen setze der Hausärzteverband auch auf das Gespräch mit den Kollegen aus der Inneren Medizin, berichtete er.

Arzt-ergänzenden Berufen wie dem Physician Assistant erteilte der Verbandschef erneut eine Absage. "Wir müssen die ausscheidenden Kollegen ersetzen und nicht für untaugliche Substitute Platz machen, die nach sechs Semestern Studium als Barfuß-Arzt durch die Gegend rennen."

Das Besondere an der Allgemeinmedizin und der hausärztlichen Medizin sei, dass sie den gesamten Menschen in den Blick nehmen. "Das ist der entscheidende Punkt, um jüngere Kollegen für das Fach zu gewinnen", glaubt Weigeldt. Für die Plakataktion des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands hatte er nur Spott übrig. Auf den Wartezimmer-Plakaten heißt es etwa "Mein Auge will nicht jeden Arzt" oder "Mein Ohr will nicht jeden Arzt". Weigeldts Kommentar: "Das ist die beste Visualisierung des fragmentierten Systems, die ich je gesehen habe." (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[04.10.2017, 11:44:46]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bio-psycho-soziale Multidimensionalität der Allgemeinmedizin
Wir begrüßen alle Quereinsteiger, die als fachärztliche Kolleginnen und Kollegen in die hausärztliche Tätigkeit wechseln möchten. Der Versorgungsbedarf in Stadt und Land ist gegeben (außer vielleicht München-Stadt, Freiburg, Starnberg, Baden-Baden, Frankfurt-City, Bad Homburg/Taunus, Bergisch-Gladbach, Düsseldorf-City, Bremen, Plön, Hamburg-City, Ostseebad Damp, Flensburg, Warnemünde).

Doch die Facharztverbände sollten bitteschön nicht so tun, als wäre die Hausarztmedizin als familienorientierte Allgemeinmedizin ("family medicine") sozusagen nur ein "Nebenfach" und Ableger von HNO-, Lungen-, Haut-, Pädiatrie-, Kardiologie-, Nephrologie-, Neurologie-/Psychiatrie- oder gar Radiologie-fachärztlicher Versorgungsmedizin.

Die Rolle des sozialmedizinisch und sozialpsychologisch tätigen Facharztes für Allgemeinmedizin/Internisten ohne Gebietsbezeichnung in der Primärversorgung bei Anamnese, Untersuchung, Beratung, Differenzialdiagnostik, konservativer und/oder interventioneller Therapie, Begleitung bzw. Palliation darf nicht Allgemeinmedizin-bildungsfremd unterschätzt werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Prä-Op-Labor - Kein Einfluss auf den Bonus

Mit der Laborreform hat sich der Blick verstärkt auf das Prä-Op-Labor gerichtet. Das soll nicht auf die Laborkosten angerechnet werden. mehr »

So sieht die Gesundheitsversorgung in den 32 WM-Ländern aus

Bei der Fußball-WM in Russland sind die teilnehmenden Nationen mit hochkarätigen medizinischen Betreuerstäben am Start. Doch wie sieht es mit der Gesundheitsversorgung in der Heimat aus? mehr »