Ärzte Zeitung online, 11.10.2017

Landarztquote

KV Niedersachsen kritisiert Regierungschef

Kurz vor der Wahl reagiert die KV Niedersachsen verärgert auf einen Vorstoß von Ministerpräsident Stephan Weil.

Von Christian Beneker

HANNOVER. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat den Vorstoß des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) zur Landarztquote kritisiert. "Was wir vielmehr brauchen, sind mehr Studienplätze!", sagt der stellvertretende Vorsitzende der KVN, Dr. Jörg Berling. "Eine Quote ohne mehr Studienkapazitäten wird nicht genügen." Weil hatte angekündigt, im Falle seines Siegs bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag im Zweifel die Landarztquote einzuführen.

Wenn man zehn Prozent der heutigen Medizinstudienplätze vorab für zukünftige Landärzte reserviere, dann fehlten diese fertigen Ärzte natürlich später in anderen Bereichen der Versorgung. "Wir brauchen daher mehr Studienplätze für Medizin insgesamt", so Berling.

In den vergangenen 20 Jahren seien an den medizinischen Fakultäten in Göttingen und Hannover mehr als 1000 Studienplätze abgebaut worden. "Dafür bekommen wir jetzt die Quittung", so Berling. Die Gründung der medizinischen Fakultät in Oldenburg allein könne das nicht kompensieren.

Zugleich gehörten die Vergabekriterien auf den Prüfstand, erklärt der KVN-Vize "Wer heute nicht ein Traumabitur mit einer Durchschnittsnote von 1,0 vorweisen kann, hat praktisch keine Chance, in Deutschland Arzt zu werden." Doch viele qualifizierte Bewerber mit "nur" guten bis sehr guten Abschlüssen seien hochmotiviert für ein Medizinstudium. "Solche Bewerber beginnen häufig ein Medizinstudium im Ausland, um nach ihrer Ausbildung dann als fertige Ärzte nach Deutschland zurückzukehren, wo sie händeringend benötigt werden", so Berling. "Wir müssen uns fragen, ob wir weiterhin dieses Potenzial brach liegen lassen dürfen."

Der Deutschen Presse-Agentur hatte der amtierende Ministerpräsident Weil gesagt, im ländlichen Niedersachsen fehlen die Ärzte. "Wenn sich das nicht in überschaubarer Zeit durch Anreizprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung ändert, werden wir eine Landarzt-Quote in der medizinischen Ausbildung in Niedersachsen einführen." Die Quote sei rechtlich möglich "und von der Sache her geboten", so Weil.

Die KVN verwies unterdessen auf ihre Programme zur Niederlassungsförderung, "die auch Wirkungen zeigen", wie es hieß. "Doch alle diese Maßnahmen setzen erst beim fertigen Arzt an", so Berling. "Die Ausbildung von genügend medizinischem Nachwuchs ist hoheitliche Aufgabe der Länder."

Laut Masterplan Medizinstudium 2020 können die Länder bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Studienbewerber vergeben, die zusagen, nach dem Studium für bis zu zehn Jahren als Hausärzte auf´s Land zu gehen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schwere Grippewelle hat Deutschland im Griff

Die aktuelle Grippewelle tobt und beschert Praxen und Kliniken einen regen Zulauf. Das RKI hat Tipps, worauf Ärzte jetzt achten sollten. mehr »

Bodyguard lässt sich von Steuer absetzen

211.000 Euro hatte eine Frau für einen Bodyguard steuerlich abgesetzt - zu Recht, entschied jetzt ein Gericht. Eine Rentnerin aus NRW schützt sich so steuersparend vor einer falschen Ärztin. mehr »

Die Ängste der Akademiker

Albtraum Studium? Jeder sechste Studierende leidet nach Angaben der Barmer unter einer psychischen Störung. Tendenz steigend. mehr »