Ärzte Zeitung online, 18.10.2017

Bereitschaftsdienst

Semantische Nebelkerzen

Kommentar von Anno Fricke

Die geplante Neuorganisation von vertragsärztlichem Bereitschaftsdienst, der Notfallambulanzen und Notaufnahmen der Krankenhäuser erweist sich für alle Parteien als schwergängiges Gelände. Marburger Bund und Kassenärztliche Bundesvereinigung haben ein gemeinsames Konzept entwickelt. Das birgt Konfliktpotenzial, denn eigentlich wäre der natürliche Verhandlungspartner der Vertragsärzte in der Selbstverwaltung die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Es ist trotzdem gut, wenn Ärzte den Aufbau Integrierter Notfallzentren in die Hand nehmen und den Interessen kaufmännischer Verwaltungsdirektoren medizinischen Sachverstand entgegensetzen.

Über Art und Umfang des Projekts herrschen gleichwohl unterschiedliche Auffassungen. Der KBV erscheinen hunderte Notfallambulanzen an Krankenhäusern als überflüssig. Der MB kontert, man wolle "kein Notaufnahmen-Schließungsprogramm".

Das Problem ist semantisch: Notaufnahmen für schwer verletzte Menschen will niemand dichtmachen. Im Visier sind Klinikambulanzen, die Patienten behandeln, die zum Vertragsarzt gehören.

Semantische Nebelkerzen passen in die Zeit. Am Mittwoch beginnen die Sondierungsgespräche für "Jamaika".

Lesen Sie dazu auch:
MB und KBV: Notfallversorgung scheint noch nicht ausdiskutiert

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[18.10.2017, 10:51:20]
Dr. Karlheinz Bayer 
"semantisch" heißt hier nur "Schönreden"
Eigentlich wäre Klartext nötig statt semantischer Winkelzüge.
Was passiert hier eigentlich?
Es ist eine Blamage für unsere ganze Innung, daß ein Großteil der Ärzte einfach zu faul und zu satt ist, um Dienste machen zu wollen.
Das trifft für die Krankenhausärzte in gleichem Maß zu, wie für uns Hausärzte.
Es ist ein fatal falsches Signal gewesen, immer wieder auf die Unterfinanzierung hinzuweisen und mit diesem zu wenig an Geld in den Kassen zuerst die organisierten Wochenend-Dienste und Feierabenddienste der Praxen abzuschaffen.
Es war ein großer Fehler, daß die KVen "Notdienst"-Praxen eingerichtet haben, an denen sich die Hausärzte nur lustlos beteiligen.
Daß die Patienten diese Praxen nie angenommen haben und gleich in die Kranklenhausambulanzen strömen, oder sogar Notärzte in Anspruch nehmen, ist nur die nächste Konsequenz. Jetzt treffen diese Patienten auf volle Ambulanzen, lustlose Klinikärzte und überlange Wartezeiten.
Mit einer gemeinsamen Ambulanz aus MB und KBV steuern wir uns nur in das nächstre Debakel hinein.
Stattdessen wäre es an der zeit, das Rad wieder zurückzudrehen.
Hausärzte haben nun einmal einen Versorgungsauftrag, zu dem auch Anwesenheitsdienste zählen. Auch wenn es nicht eben Spaß macht, für Notfälle in der eigenen Praxis erreichbar zu sein, es gehört zum Beruf.
Um was KBV und GKV immer herumgeeiert sind ist, daß man diese bereitschaft - entsprechend der Regelung im Krankenhaus - auch hätte bezahlen müssen.
Jetzt wirft man das Geld in Ambulanzen, die im Grunde keiner will und ärgert Niedergelassene ebenso wie angestellte Ärzte.
Am meisten aber ärgert man die hilfesuchenden Patienten. zum Beitrag »

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