Ärzte Zeitung online, 21.11.2017
 

Behandlungsprogramme

15 Jahre DMP – Evaluation mit Luft nach oben

BONN/FRANKFURT. Das Bundesversicherungsamt (BVA) sieht Nachbesserungsbedarf bei den Disease-Management-Programmen. Vor rund 15 Jahren – im Juli 2002 – starteten für Patienten mit Diabetes Typ 2 und Brustkrebs die ersten beiden DMP.

BVA-Präsident Frank Plate verwies bei einer Veranstaltung in Frankfurt auf Defizite bei der Evaluation von DMP-Daten. Sie würden bisher nicht ausreichend für die Versorgungsforschung genutzt. "Man kann es sich nicht leisten, diesen einmaligen ‚Datenschatz‘ ungenutzt zu lassen", kritisierte Plate. Immerhin ist die elektronische Dokumentation der Daten, die der teilnehmende Arzt bei jeder Untersuchung eines DMP-Patienten vornehmen muss, seit 2008 verpflichtend vorgeschrieben.

Die bisherigen kassen- und regionalspezifischen Berichte sind 2016 durch bundesweite und kassenübergreifende Evaluationen der DMP abgelöst worden. Das entsprechende Kriterienset ist 2014 vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen worden. Der Patientennutzen wird seitdem anhand krankheitsspezifischer und indikationsübergreifender Parametern gemessen.Neue Herausforderungen bringen geplante, zusätzliche DMP, sagte BVA-Chef Plate. Derzeit werden im GBA fünf neue Indikationen beraten. Die Entwicklung des DMP Herzinsuffizienz ist am weitesten fortgeschritten – es sollte eigentlich schon im August beschlossen werden. Zwei DMP – zu Rückenleiden und Depressionen – ergeben sich aus dem Auftrag der Koalition im Versorgungsstärkungsgesetz. Nach Angaben des BVA werden von den Kassen aktuell rund 10.000 DMP angeboten. 7,94 Millionen Patienten waren Ende vergangenen Jahres in ein oder mehrere DMP eingeschrieben. Beteiligt an der Versorgung der chronisch kranken Patienten sind aktuell rund 76.000 Ärzte.

Die Kassen erhalten in diesem Jahr 145,68 Euro je Versichertenjahr und eingeschriebenem Versicherten gesondert aus dem Gesundheitsfonds als sogenannte DMP-Programmkostenpauschale. Diese setzt sich zusammen aus arztbezogenen Kosten (rund 124 Euro) und Verwaltungskosten der Kassen (rund 21 Euro). Der Wissenschaftliche Beirat für die Weiterentwicklung des Morbi-RSA hat in einem Gutachten diese separate Pauschale kritisch bewertet. Sie sei nur zum Start der DMP als Anreiz für die Kassen gerechtfertigt gewesen, erklärte der Beirat. "Aus wissenschaftlicher Sicht ist zu hinterfragen, warum diese, nicht aber andere, teilweise weiterreichende populationsorientierte Modelle mit einer erheblich stärkeren sektorenübergreifenden Orientierung (...) von den Krankenkassen gefördert werden", heißt es in dem Gutachten. (fst)

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