Ärzte Zeitung online, 23.11.2017
 

Schleswig-Holstein

Klinikärzte prangern Überlastung in offenem Brief an

Ärzte der Sana Klinik Ostholstein beklagen sich in einem offenen Brief über Arbeitsbedingungen am Standort Oldenburg. Fehlendes Personal, Überlastung der Ärzte, Sorge um die Versorgungsqualität – das ruft auch die Politik auf den Plan.

Von Dirk Schnack

Klinikärzte prangern Überlastung in offenem Brief an

Überarbeiteter Arzt: Beschäftigte einer Klinik haben sich an den Marburger Bund gewandt.

© tunedin / adobe.stock.com

OLDENBURG. Die Sana Klinik Ostholstein sieht sich wegen ihrer Personalpolitik massiver Kritik ausgesetzt. Am Standort Oldenburg hat ein offener Brief von Ärzten den Marburger Bund (MB), Politiker und Medien auf den Plan gerufen.

"Die Zustände in der Sana Klinik Oldenburg zeigen, wie wirtschaftlicher Profit über die ärztliche Versorgung gestellt wird", sagte Schleswig-Holsteins MB-Chef Dr. Henrik Herrmann. Er befürchtet, dass dort eine verfehlte Personalpolitik die Versorgungsqualität für die Patienten gefährdet.

Zuvor waren ärztliche Mitarbeiter aus der chirurgischen Abteilung in Oldenburg an die Gewerkschaft herangetreten, um Unterstützung zu suchen. Zugleich hatten Ärzte in einem offenen Brief die Personalsituation kritisiert. In Medien hatten sich Ärzte anonym geäußert, weil sie aufgrund von Überlastung befürchten, dass Patienten zu Schaden kommen. Auch der Betriebsrat in Oldenburg hat den Personalmangel öffentlich kritisiert.

Vorwurf der eingleisigen Besetzung

Konkret spricht der MB von einer nur eingleisigen Besetzung der Sana Kliniken an ihren Standorten in Oldenburg und Eutin "mit je nur einem oberärztlichen Hintergrund der Fachrichtung Unfallchirurgie bzw. der Allgemein- und Viszeralchirurgie während der Dienstzeiten in der Woche und an den Wochenenden".

Folge des Personalmangels: Ärztliches Personal müsse immer häufiger aus der Freizeit rekrutiert werden, für chirurgische Notfälle könne zum Teil kein OP-Team mehr aufgestellt werden, die Notaufnahme müsse in der Leitstelle abgemeldet werden und die erhöhte Belastung führe zu erhöhten Krankenständen unter den Ärzten. Herrmann hat als Ursache des Personalmangels Stellenstreichungen ausgemacht. "Wir fordern die Geschäftsführung der Sana Klinik Oldenburg nachdrücklich auf, Stellenstreichungen zurückzunehmen und eine verbindliche, klare Personalpolitik zu betreiben", sagte Herrmann.

Die Sana Kliniken Ostholstein zeigten sich in einer Reaktion "betrübt" – allerdings nicht über die Überlastung, sondern über nach ihrer Ansicht "vorschnelle Kritik in der Öffentlichkeit". Geschäftsführer Klaus Abel sagte, es gehe um "die bestmögliche, sichere und hochwertige Versorgung unserer Patienten" – und diese sei "stets gewährleistet". Er verwies zugleich auf einen von sechs Chefärzten seines Hauses zu Anfang des Jahres unterzeichneten Brief, in dem diese der Geschäftsführung die Unterstützung für ein Konzept unter dem Namen "konzentrierte Chirurgie" mittragen.

Konkreter wird die Klinikführung allerdings nicht. Dass es in Oldenburg zu einer angespannten Personalsituation kommt, räumt die Geschäftsführung nur indirekt ein, spricht von einem "Spannungsfeld" zwischen dem Anliegen einer guten und wohnortnahen Gesundheitsversorgung und "aktuellen gesetzgeberischen und gesellschaftlichen Entwicklungen".

Auf der Landtagsagenda

Der Kreis Ostholstein als Minderheitengesellschafter hält sich mit öffentlicher Kritik bislang zurück. Nach Angaben von Landrat Reinhard Sager (CDU) wirkt der Kreis gemeinsam mit dem Sozialministerium daraufhin, "dass Sana die entsprechenden Kräfte zur Verfügung stellt." Er verwies in diesem Zusammenhang auf das Problem, Ärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen. In dieser Woche beschäftigen sich Gremien des Kreises mit der Personalsituation in den Kliniken, auch Kieler Landtagspolitiker verfolgen die Probleme in Oldenburg nach Angaben einer Abgeordneten "mit Sorge". Die Sana Klinik Ostholstein beschäftigt an ihren vier Standorten Oldenburg, Eutin, Middelburg und auf Fehmarn zusammen mehr als 1000 Mitarbeiter.

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