Ärzte Zeitung online, 29.11.2017

Sachsen-Anhalt

Landeskinder besser hegen!

In Sachsen-Anhalt wächst bei Kammervertretern die Sorge um den Nachwuchs. Nötig seien die bessere Begleitung Medizinstudierender und die Landarztquote.

Von Petra Zieler

MAGDEBURG. Sachsen-Anhalt braucht Hausärzte – bis 2025 über 800 – aber eben nicht nur die. So ein Resümee der jüngsten Kammerversammlung: Ärztemangel ist längst zum allgemeinen Problem geworden.

Wie kann die ärztliche Versorgung zukunftssicher gestaltet werden? Dazu lagen der Kammerversammlung gleich zwei Resolutionsentwürfe vor: Verfasst von Dr. Christine Schneemilch, Oberärztin an der Universität Magdeburg, und Dr. Jörg Böhme, Hausarzt in Stendal. Dass beide Autoren sich im Verlaufe der Versammlung zurückzogen, um an einem gemeinsamen haus- und fachärztlichen Papier zu feilen, "beweist unsere Konsensfähigkeit", so die Hallenser Allgemeinmedizinerin Dr. Elisabeth Hintzsche. "Darüber bin ich sehr glücklich."

Die Kammer fordert eine angemessene Erhöhung der Studienplätze sowie veränderte Zulassungskriterien, in deren Fokus die Nachwuchsgewinnung für eine flächendeckende haus- und fachärztliche Versorgung steht. "Wichtig ist, die Ärzteschaft insgesamt zu stärken. Dazu gehört eine Landarztquote über alle Fachgruppen und nicht – wie im Masterplan Medizinstudium 2020 vorgesehen – nur bei den Hausärzten", sagte Professor Uwe Ebmeyer, Vize-Präsident der Kammer. "Ehe es um die Verteilung geht, brauchen wir zunächst netto mehr Ärzte."

800 Hausärzte benötigt das Land Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2025. Vermutlich liegt die Zahl aber noch deutlich höher, weil wegen der zunehmenden Teilzeitarbeit das Bruttoarbeitsvolumen sinkt.

Gegenwärtig würde Sachsen-Anhalt Ärzte für andere Bundesländer und andere Berufe "produzieren". Ebmeyer appellierte, Fakultäten, Krankenhäuser, KV, Ärztekammer sowie alle politisch Verantwortlichen im Land sollten eine "Initiative Ärzte für Sachsen-Anhalt" starten. "Es geht um nicht weniger als um unseren eigenen Nachwuchs. Dabei muss klar sein, dass eine Nachbesetzungsquote eins zu eins heute längst nicht mehr ausreicht." Viele junge Ärzte würden Teilzeitarbeit vorziehen. "Auch das hat Konsequenzen. Zumindest in Kliniken brauchen wir für einen Arzt, der aufhört, 1,3 neue Stellen." Es sei Aufgabe der Ärzte, für die Attraktivität des Berufes in Sachsen-Anhalt zu werben, Medizinstudierende auf ihrem Weg in den Beruf zu begleiten und intensive Kontakte zu Gesundheitseinrichtungen im eigenen Bundesland zu ermöglichen.

"Wir müssen aber auch die Politik in die Pflicht nehmen, gemeinsam auszuloten, was möglich ist", sagte Ebmeyer. Neue Zulassungskriterien zum Medizinstudium müssten ebenso justiziabel wie attraktiv für Landeskinder sein. Deshalb sollten außer Noten berufsrelevante und soziale Kompetenzen berücksichtigt werden.

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