Ärzte Zeitung online, 08.12.2017

Vertreterversammlung

KBV macht Druck bei E-Patientenakte

Die neue Regierung soll bei Vorgaben für E-Akte ärztlichen Sachverstand einbinden – so eine Forderung auf der KBV-Vertreterversammlung am Freitag.

KBV macht Druck bei E-Patientenakte

Mehr Tempo: Eckpunkte für eine elektronische Patientenakte hat KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel von der Bundesregierung gefordert.

© D3Damon / iStock / Thinkstock

BERLIN. KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel hat von der Regierung baldmöglichst Eckpunkte für eine elektronische Patientenakte gefordert. Darin sollte eine einheitliche technisch-semantische Struktur vorgegeben werden und ärztliche Expertise eingebunden werden.

In einem E-Health-Gesetz 2 dürfte sich "das Spiel mit sanktionsbewehrten Fristen nicht wiederholen", sagte Kriedel vor der Vertreterversammlung der KBV am Freitag in Berlin.

Es biete zudem auch Gelegenheit, das Fernbehandlungsverbot zu lockern und eine qualifizierte Signatur für Versicherte für die Gesundheitskarte aufs Gleis zu setzen.

Die Notfall-App der KBV und der KVen ist noch nicht vorstellungsreif. Man warte auf den Gesetzgeber, um die Funktionalitäten der App später in vollem Umfang ausrollen zu können, sagte KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister. Nur im Zusammenspiel mit regionalen Lösungen könnten App, Webseite und die Bereitschaftsdienstnummer 116.117 ein Erfolg werden.

Unverständnis äußerten die Vorstände über die andauernde Debatte zur Einführung einer Bürgerversicherung nach einer Regierungsbildung. "Eine Bürgerversicherung gibt nicht eine einzige Antwort auf die für das Gesundheitswesen wirklich wichtigen Fragen, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. Politisch angegangen werden müsse vielmehr der völlig überdimensionierte Krankenhaussektor, der so groß sei, dass man ihn kaum noch in den Griff bekomme, geschweige denn vernünftig finanziert könne, sagte Gassen.

Alleine in Nordrhein-Westfalen zeichne sich ein Investitionsstau von 12,5 Milliarden Euro ab, in einem Land, in dem binnen 30 Minuten Autofahrt 76 Kliniken der Grundversorgung erreicht werden könnten, berichtete Gassen.

Die Debatten der möglichen Koalitionspartner Union und SPD über mögliche Änderungen bei der Finanzierung der Gesundheitsversorgung, fanden bei der KBV-VV Widerhall. Reinerlöse aus reiner KV-Tätigkeit reichten nicht aus, um eine Praxis zu finanzieren, sagte Baden-Württembergs KV-Chef Dr. Norbert Metke. "Ohne andere Einnahmen können Sie gleich in der Klinik bleiben", wies Metke auf mögliche Konsequenzen hin, wenn Einnahmen aus der privaten Versicherung von Patienten wegbrächen. Das Gerede über die Zusammenführung von EBM und GOÄ gefährde die Nachwuchsgewinnung für die niedergelassenen Praxen. Dass die Gebührenordnungen ohne Verluste zusammengeführt würden, glaube "keine Sau", sagte Metke. (af)

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