Ärzte Zeitung online, 22.02.2018

Kommentar

Eine Phantom-Diskussion

Von Wolfgang van den Bergh

sind Ärzte faul und obendrein noch ungerecht? Diesen Eindruck konnte man nach dem wochenlangen Spektakel um Sprechstundenzeiten gewinnen. Wir erinnern uns: Die Koalitionäre in spe wollen die Sprechstundenpflichtzeit für GKV-Patienten von 20 auf 25 Stunden hochsetzen. Damit werde das System gerechter und das Wartezeiten-Problem gelöst.

Solche oder ähnliche Forderungen finden immer Befürworter. Nur, was hat das mit der Realität zu tun? Laut Zahlen des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) kümmern sich niedergelassene Ärzte heute schon 36 Stunden pro Woche um ihre GKV-Patienten. Sechs Stunden tun sie das für ihre Privatpatienten. Ganz vorne sind dabei Allgemeinärzte und hausärztlich tätigen Internisten.

"Was will Politik eigentlich", fragt da die KBV nicht ganz zu Unrecht. Denn wie passen die 20 Stunden für GKV-Versicherte zu den durchschnittlichen 52 Wochenarbeitsstunden, die ein Arzt in der Praxis ableistet? So viele kranke Privatversicherte kann es bei einer Grundgesamtheit von neun Millionen nun wirklich nicht geben.

Ärzte sind weder faul noch ungerecht, weil 72 Millionen gesetzlich Versicherte ihnen das nicht durchgehen lassen würden. Also Schluss mit dieser Phantom-Diskussion.

Lesen Sie dazu auch:
KBV zu Mindestsprechzeit-Forderung: GroKo muss Karten auf den Tisch legen

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