Ärzte Zeitung online, 06.03.2018

Westfalen-Lippe

KV möchte Vertragsstatus für Praxisnetze

Vorstand warnt davor, Zusammenschlüsse nur unter dem Aspekt der Kostensenkung zu sehen.

DORTMUND. Die KV Westfalen-Lippe (KVWL) setzt sich dafür ein, dass anerkannte Arztnetze den Vertragsstatus erhalten. Damit macht sie sich bei den anderen KVen aber nicht nur Freunde. Bei einem Treffen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sei kon- trovers über das Thema debattiert worden, sagte KVWL-Vorstand Thomas Müller bei der Vertreterversammlung in Dortmund. "Ich habe ein paar blaue Flecken mitgenommen."

Es sei der Wunsch vieler Netze, dass sie Ärzte und medizinische Fachangestellte anstellen können, sagte Müller. Dafür müsste Paragraf 105, Absatz 5 SGB V zum Betrieb eigener Einrichtungen geändert werden. Darüber werde heftig diskutiert, manche KVen hinterfragen die Notwendigkeit. "Es ist noch nichts entschieden."

Als Grund für die Kontroverse sieht er, dass Praxisnetze von den KVen unterschiedlich beurteilt werden. Die KVWL hat früh mit der Förderung der Netze begonnen. "Wir sind stolz darauf, in Westfalen-Lippe bundesweit die größte Zahl anerkannter Praxisnetze zu haben", sagte Müller. Von 67 anerkannten Netzen im Januar 2018 waren 20 in Westfalen-Lippe, 14 in Bayern und zehn in Schleswig-Holstein. In Westfalen-Lippe sind insgesamt 1882 Ärzte Teil eines Netzes. "Das ist eine beeindruckende Zahl."

Der KVWL-Vorstand sieht es kritisch, dass manche Kassen die Ärztenetze vor allem unter dem Aspekt sehen, die Kosten der Versorgung senken zu können, etwa durch geringere Krankenhauseinweisungen oder Verordnungsanalysen. Damit mache man die Zusammenschlüsse fast zum "billigen Jakob".

In der Diskussion über die Netze sollten andere Aspekte stärker im Vordergrund stehen, forderte Müller. Er nannte den stärkeren kollegialen Austausch, die Möglichkeit der Nachbesetzung von Praxissitzen, die größere Patientenzufriedenheit, die Steuerung der Patienten und die Entwicklung von Innovationen. "Ich wehre mich dagegen, die Netze dazu zu nutzen, die Zitrone noch weiter auszuquetschen." (iss)

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