Ärzte Zeitung online, 18.05.2018

Positionspapier

DEGAM wirbt für ein Primärarztsystem

Die DEGAM sieht alle Argumente für ein Primärarztsystem auf ihrer Seite. Viele EU-Staaten sähen das genauso.

BERLIN. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) spricht sich in einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier für ein Primärarztsystem aus. Das bisherige System, das Patienten den direkten und parallelen Besuch von Spezialisten erlaubt, führe zu Wartezeiten und erhöhe die Gefahr von Informationsverlusten, heißt es in dem Papier.

Die Primärversorgung zeichne sich dabei durch ein "hausarztgeleitetes Team von Fachkräften" aus und sollte von diesen Rahmenbedingungen flankiert werden:

  • Einschreibung in ein Primärarztsystem – wie in der hausarztzentrierten Versorgung üblich.
  • Zuzahlung bei direkter Inanspruchnahme von Spezialisten und Klinikambulanzen außerhalb des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.
  • Erhöhung des Anteils der Allgemeinmedizin in der Weiterbildung auf 30 Prozent – bisher sind es rund zehn Prozent.
  • Einheitliche Medikationspläne, Notfalldatensätze und digitale Patientenakten. Für den Mehraufwand, der mit der Umsetzung verbunden ist, müssten Hausärzte an anderer Stelle entlastet werden.
  • Bessere Vergütung von Hausärzten: Sie sollte angesichts gleicher Weiterbildungsdauer und höherer Arbeitszeit "mindestens" dem Niveau von Spezialisten entsprechen.
  • Die DEGAM argumentiert, ein Primärarztsystem sei bereits in 15 von 28 europäischen Ländern etabliert worden. In zwölf weiteren Staaten werden nach Angaben der OECD Zuzahlungen fällig, wenn Patienten direkt den Spezialisten aufsuchen wollen. Durch ein so koordiniertes Vorgehen könnten "viele der strukturellen Probleme des deutschen Gesundheitssystems" gelindert werden.

    Die Fachgesellschaft erinnert daran, dass nur bei zehn bis 20 Prozent der Patienten die Überweisung oder Mitbehandlung durch einen Spezialisten erforderlich sei. Hingegen könne der ganz überwiegende Teil der Anliegen von Patienten durch Hausärzte "zeitnah, abschließend, in guter Qualität und mit hoher Kosteneffektivität" behandelt werden. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD enthält lediglich den Passus, die hausärztliche Versorgung solle "besser vergütet" werden. (fst)

    Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Die Newsletter der Ärzte Zeitung

    Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

    NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

    Wie Seelenklempner Stress bewältigen

    Einen Sonntagsblues kennen sie nicht, denn montags ist Chorprobe: In Berlin singen Psychiater, Psychologen und Neurologen seit Jahren gemeinsam in einem außergewöhnlichen Chor. mehr »

    Anti-Aging klappt – mit dem richtigen Sport

    Wer sein Leben mit Hilfe von Sport verlängern will, sollte auf Sport setzen – und dabei vor allem auf eine Trainingsform, wie eine saarländische Studie jetzt nahelegt. mehr »

    Cannabis ist weiter meistkonsumierte Droge

    Sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen nimmt Cannabis unter den illegalen Drogen weiterhin die prominenteste Rolle ein. Das geht aus dem DBDD-Jahresbericht hervor. mehr »