Ärzte Zeitung online, 18.07.2018

Westfalen-Lippe

Kammer will Prüfungen für Auslands-Ärzte

Fachsprachentests zeigen immer wieder fachliche Mängel, beklagt die Ärztekammer.

MÜNSTER. Bevor sie eine Approbation in Deutschland erhalten, sollten ausländische Ärzte nicht nur eine Fachsprachenprüfung ablegen, sondern auch eine Kenntnisprüfung. Dafür macht sich der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, stark.

 Diese Prüfung sollte seiner Meinung nach dem dritten Teil des medizinischen Staatsexamens entsprechen. Mit Blick auf die Versorgungsqualität und den Patientenschutz sei eine solche Regelung notwendig, betonte Windhorst. "Jeder, der zu uns kommt, muss wissen, dass ihn das erwartet."

Bei den von den Kammern durchgeführten Fachsprachenprüfungen würden sich immer wieder fachliche Mängel zeigen, berichtete Windhorst vor Journalisten in Münster. "Das Problem ist, dass wir auf die Mängel nicht hinweisen dürfen, sondern erst reagieren können, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist."

Der ÄKWL-Präsident kritisiert seit längerem, dass die Kammern die Approbationsbehörden nicht darüber informieren dürfen, wenn die Fachsprachenprüfung Zweifel an der Qualifikation der Kandidaten weckt. Die Kenntnisprüfung sollte ebenso wie die Fachsprachenprüfung bei den Ärztekammern liegen, forderte er. "Ich glaube, die Approbationsbehörden wären damit überfordert."

Von 2014 bis 2017 hat die ÄKWL insgesamt 4078 Fachsprachenprüfungen abgenommen, darunter 2567 Erst- und 1511 Wiederholungsprüfungen. In diesem Zeitraum wurden im Schnitt 50,9 Prozent der Prüfungen nicht bestanden. Es würden vor allem diejenigen ausländischen Ärzte in den Prüfungen erfolgreich sein, die sich mit professioneller Begleitung vorbereiten, sagte Windhorst.

In Westfalen-Lippe hatten bis Ende 2017 Ärztinnen und Ärzte aus 91 verschiedenen Nationen die Fachsprachenprüfung abgelegt. Die größte Gruppe bildeten mit 475 die Syrer, gefolgt von Ägyptern (231) und Libyern (215). Bei der Erstprüfung waren die Kandidaten im Schnitt 30,5 Jahre alt. Der Anteil der Frauen stieg von 17,1 Prozent im Jahr 2014 auf 30,4 Prozent. (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[18.07.2018, 10:36:43]
Gisela Görisch 
Richtig
Diese Forderung ist berechtigt und nur zu unterstützen.

Pflegekräfte, die aus Drittstaaten nach Deutschland kommen brauchen Sprachkenntnisse,machen dann ein Praktikum von 1 Jahr erst dann eine Prüfung um die Anerkennung zu bekommen. Ein Blick in das Projekt Triple Win der GIZ ist da hilfreich !! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »