Ärzte Zeitung online, 20.07.2018

Facharztversorgung

Lauterbachs Sonderbudget erntet Kritik

Lauterbachs Sonderbudget erntet Kritik

Neue Patienten aufzunehmen, soll sich für Ärzte mehr lohnen – dank eines Sonderbudgets: Was SPD-Politiker Lauterbach mit seinen Plänen konkret meint, bleibt unklar.

© Jakub Krechowicz / stock.adobe.com

BERLIN. Bevor am Wochenende die koalitionsinternen Beratungen über ein Versorgungsgesetz fortgesetzt werden sollen, hat der SPD-Fraktionsvize der SPD, Professor Karl Lauterbach, Staub aufgewirbelt. Er wolle ein Sonderbudget für Erstkontakte zwischen Patienten und Fachärzten auflegen, um Wartezeiten für Neuaufnahmen bei Fachärzten abzubauen, hatte Lauterbach am Mittwoch in Berlin angekündigt.

Gleichzeitig erteilte er dem KBV-Vorschlag eine Absage, die haus- und fachärztlichen Grundleistungen aus der Budgetierung zu nehmen. "Das ist der Gassen-Vorschlag. Den werden wir nicht umsetzen", sagte Lauterbach. Damit werde die aktuelle Fehlversorgung nur besser bezahlt. Dr. Andreas Gassen ist der Vorstandsvorsitzende der KBV.

Der Vorstand des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, rechnet ebenfalls nicht mit einem Erfolg für die Ausbudgetierung der Grundleistungen. Was Lauterbach angeregt habe, sei erklärungsbedürftig.

"Ich kann mir vorstellen, dass es dafür einen Ausnahmekatalog geben wird, gegen den das Interoperabilitätsverzeichnis der gematik dünn aussieht", sagte Weigeldt der "Ärzte Zeitung". Wenn es für das Sonderbudget eine ungedeckelte, extrabudgetäre Vergütung gebe, gehe die indirekt auch zu Lasten der Hausärzte. (af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[22.07.2018, 10:36:03]
Dr. Herbert Rendl 
Lauterbachs Sonderbudget
Soll man sagen typisch?!! - Immer vom Hausarztmangel reden, dann aber wieder die Spezialisten bevorteilen - auf Kosten der Hausärzte!! -
Man würde analog sagen - Ökonomieexperte bleibe bei Deinem Spezialgebiet zum Beitrag »
[20.07.2018, 11:58:25]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Dem "Kollegen" Lauterbach ins Stammbuch...
1. Experten für Gesundheits- und Krankenhausökonomie haben i.d.R. keine Ahnung von haus-/fachärztlicher professioneller Kooperation/Interaktion.

2. Etwa 80% aller medizinischen Beratungsanlässe bei unseren Patientinnen und Patienten werden bereits auf der hausärztlichen Ebene gelöst.

3. Sinnvolle Steuerung und Koordination der Facharztkontakte laufen über allgemeinärztliche und internistische Haus- und Familienmediziner.

4. Implementierung von Sonderbudgets für Erstkontakte zwischen Patienten und Fachärzten belegen nur eine bisher unzureichende Umsatzhonorierung.

5. Wer Erstkontakte bei Fachärzten priorisieren will, missachtet und disqualifiziert qualitativ gleichwertige Hausarzt-Erstkontakte.

6. Populistische Versuche, weitere Keile zwischen Haus- und Fachärzte zu treiben, gefährden die Sicherstellung der ambulanten Versorgung in Stadt und Land.

7. Wer lt. Handbuch des Deutschen Bundestages seine Approbation als Arzt erst seit 2010 besitzt, muss sich hinten anstellen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Marathon geht Amateuren richtig ans Herz

Wer sich als Amateur an einen Marathon wagt, ist trotz regelmäßigen Trainings kardial gefährdet. Studienautoren geben einen Tipp, um das Herz nicht so stark zu belasten. mehr »

„Das ist keine Propagandaschlacht“

Einige Passagen im geplanten Termineservice- und Versorgungsgesetz stoßen Ärzten sauer auf. Im Interview erläutern die drei KBV-Vorstände, warum sie zuversichtlich sind, dass sich Änderungen noch durchsetzen lassen. mehr »

TK senkt Zusatzbeitrag – Barmer nicht

Nach und nach geben die Krankenkassen ihren Beitragssatz für 2019 bekannt - nun tat dies die Kassen-Schwergewichte TK und Barmer sowie zwei weitere AOKen. Es zeichnen sich sinkende Zusatzbeiträge ab, aber nicht bei jeder Kasse. mehr »