Ärzte Zeitung online, 13.03.2019

Berlin

Geburtshilfe noch in den Wehen

Das Aktionsprogramm, das Engpässe in der Geburtsmedizin in der Hauptstadt beseitigen soll, zeigt erste Erfolge – aber es wartet noch viel Arbeit.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. In den Versorgungsstrukturen rund um die Geburt in Berlin tut sich etwas. Doch endgültig greifen werden die Maßnahmen des „Berliner Aktionsprogramms für eine sichere und gute Geburt“ frühestens Ende 2020.

Ein gutes Jahr nach dem Start des Aktionsprogramms, das Engpässe in der Geburtsmedizin der wachsenden Stadt angehen soll, sind noch nicht alle Maßnahmen auf dem Weg. Vor allem die geplante Beschleunigung bei der Anerkennung von Hebammen mit Berufsabschlüssen aus dem Ausland stockt.

Nach Angaben der Gesundheitssenatsverwaltung hat das Bundesarbeitsministerium eine Kostenübernahme für die Konzeptentwicklung eines Berliner Anpassungslehrgangs für Hebammen aus Drittstaaten abgelehnt. Jetzt prüft die Verwaltung, ob sie die Konzeptentwicklung selbst finanziert.

In Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen werden den Angaben zufolge derartige Lehrgänge bereits angeboten.

14 Anträge, sieben Erlaubnisse

Das Potenzial der Fachkräftegewinnung auf diesem Weg scheint in Berlin jedoch nicht riesig zu sein. Im Jahr 2018 sind laut Gesundheitssenatsverwaltung 14 Anträge auf Berufsanerkennung als Hebamme gestellt worden, davon vier Anträge aus Drittstaaten. Sieben Erlaubnisse wurden 2018 erteilt, davon zwei an Hebammen aus Drittstaaten.

Die Zahl der freiberuflichen Hebammen in Berlin stieg von 1012 im Jahr 2015 auf 1111 im vergangenen Jahr. Jede von ihnen betreute im Jahr 2015 im Durchschnitt 17,38 außerklinische Geburten, im Jahr 2017 dagegen schon 17,84 außerklinische Geburten. Das geht aus der Antwort der Gesundheitssenatsverwaltung auf eine Anfrage des Linke-Abgeordneten und Arzts Dr. Wolfgang Albers hervor.

Damit Frauen in Berlin leichter Hebammen finden, erstellt der Berliner Hebammenverband mit einer Förderung der Lottostiftung eine neue Vermittlungsplattform. Sie soll im Vergleich zu bereits bestehenden Portalen sowohl für Hebammen als auch für Schwangere deutlich leichter zu handhaben sein.

Plattform soll im Herbst an den Start gehen

Die Gesundheitssenatsverwaltung geht davon aus, dass die Plattform im Herbst dieses Jahres an den Start geht. Bereits begonnen hat zudem der im Aktionsprogramm beschlossene Ausbau der Hebammenschulplätze. 32 neue Plätze gibt es schon. Bis Ende 2020 sollen weitere rund 100 Plätze dazu kommen, sodass die Zahl von jetzt 234 auf 332 steigt.

Auch der digitale Bettennachweis IVENA ist eingeführt. Damit kann der Berliner Rettungsdienst die klinischen Ressourcen der Kreißsäle und neonatologischen Intensivstationen in den Krankenhäusern einsehen.

Die bauliche Erweiterung von Kreißsälen zur Steigerung der Versorgungskapazitäten rund um die Geburt ist ein längerfristiger Prozess. Sechs Perinatalzentren haben laut Verwaltung fundierte Anträge mit plausiblen Kostenprognosen eingereicht und wurden in das mit 20 Millionen Euro hinterlegte Programm aufgenommen.

Im Rahmen des Nachtragshaushalts stehen nun weitere 6,5 Millionen zur Ausfinanzierung der sechs Maßnahmen zur Verfügung. Mit der ersten Inbetriebnahme einer geförderten Kreißsaalerweiterung rechnet die Gesundheitssenatsverwaltung zum Jahresende 2020.

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