Ärzte Zeitung online, 02.04.2019

Palliativmedizin

DEGAM gegen neuen Facharzt

Die Allgemeinmediziner wollen keinen „Facharzt für Palliativmedizin“ in der Weiterbildungsordnung. Für den Nutzen dieser Spezialisten gebe es keine Evidenz.

BERLIN. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat sich gegen die Einführung einer Facharztweiterbildung für Palliativmedizin ausgesprochen. Es gebe keine „fachtypischen Prozeduren oder Techniken“, heißt es in einem aktuell veröffentlichten Positionspapier der Fachgesellschaft.

Die häufigsten Maßnahmen wie Medikation, Pflege und Angehörigebetreuung seien vielmehr typisch hausärztliche Tätigkeiten. „Eine flächendeckende Versorgung mit Palliativspezialisten ist (...) weder personell machbar noch bezahlbar“, so die DEGAM.

Zudem gebe es keine Evidenz für eine bessere Versorgung durch „Fachspezialisten“. Auch sei eine weitere „Fragmentierung der Versorgungslandschaft nicht wünschenswert“.

Hintergrund für die DEGAM-Kritik sind Forderungen etwa der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) nach einer solchen Weiterbildungsreform.

Auf dem letzten Deutschen Ärztetag, 2018 in Erfurt, kam es darüber zu heftigem Streit. Dort wollten einige Delegierte die Anforderungen an die Zusatzweiterbildung im Rahmen der novellierten Musterweiterbildungsordnung deutlich ausdehen. Nach Interventionen vor allem von den Hausärzten lehnte das Ärzteparlament diesen Vorstoß jedoch ab.

In Deutschland gibt es laut der jüngsten Ärztestatistik der Bundesärztekammer rund 11.600 berufstätigen Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin. Laut DEGAM ermöglichten diese heute schon eine „nahezu flächendeckende“ palliativmedizinische Versorgung. (nös)

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