Ärzte Zeitung online, 17.06.2019

Terminservice

Akuttermine rund um die Uhr? Teurer Spaß!

Den KV-Verantwortlichen graut es vor der Pflicht, die Servicestellen aufrüsten zu müssen. Richtig komplex wird es bei Online-Terminen.

DÜSSELDORF. Die Aufrüstung der Terminservicestellen, damit sie ab 2020 rund um die Uhr Akuttermine vermitteln können, wird für die KVen teuer. „Allein in Westfalen-Lippe werden wir Millionen-Beträge aufwenden müssen“, berichtete Bernd Hecker, Leiter des Geschäftsbereichs Service Center bei der KV Westfalen-Lippe, beim Regional-Forum des Bundesverbands Managed Care NRW in Düsseldorf. „Die Frage ist, ob Aufwand und Ertrag in einem angemessenen Verhältnis stehen“, betonte Hecker. Angesichts der bisherigen Inanspruchnahme der Terminservicestelle ist er eher skeptisch.

Von März 2018 bis März 2019 gingen bei der Anlaufstelle in Westfalen-Lippe insgesamt 57 459 Anrufe ein, die Mitarbeiter buchten 31 451 Termine. Die am meisten nachgesuchten Fachgruppen unter den mehr als 15.000 KVWL-Mitgliedern waren dabei Psychotherapeuten, Nervenärzte, Schwerpunkt-Internisten, Radiologen und Orthopäden. „Das war zu erwarten, denn wir wissen, wo die Probleme liegen“, sagte Hecker.

Der Ärger über die Terminvergabe bei niedergelassenen Ärzten spielt beim Beschwerdemanagement der KVWL nach seinen Angaben nur eine untergeordnete Rolle. Pro Jahr wenden sich rund 600 bis 700 unzufriedene Patienten an die KVWL, berichtete er. „2018 hatten wir 38 Beschwerden über die Terminvergabe, 2019 sind es bislang 17.“

Das seit dem 11. Mai erweiterte Aufgabenspektrum der Terminservicestellen wie die Vermittlung von Terminen bei Haus- und Kinderärzten und die Vermittlung zur psychotherapeutischen Akutbehandlung macht sich bislang noch nicht bemerkbar. „Die ersten Zahlen zeigen, dass die Angebote noch recht schleppend angenommen werden.“ Kaum jemand rufe wegen der Suche nach einem Termin bei einem Hausarzt an.

Sorgen macht dem KVWL-Experten die Ankündigung, dass Patienten künftig Termine auch selbst online buchen können. „Da graut mir ein Stück weit vor.“ So müssten die Patienten den von ihnen gewünschten Facharzt gezielt ansteuern. Das sei für sie aber nicht immer erkennbar, zum Beispiel, wenn sie eine Kernspintomografie wünschen. „Das kann bei Patienten und Ärzten zu großem Ärger führen“, erwartet Hecker. (iss)

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