Ärzte Zeitung online, 05.07.2019

Nordrhein-Westfalen

Krankenhäuser nicht pauschal abbauen!

Die Krankenhausgesellschaft NRW fordert, sich bei der Krankenhausplanung an den Bedürfnissen der Bevölkerung zu orientieren. Das Landesgesundheitsministerium hat zur Planung ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Von Ilse Schlingensiepen

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Wie viele Klinken in NRW werden gebraucht? Antwort soll die Krankenhausplanung geben.

© Blue Planet Studio / stock.adobe.com

DÜSSELDORF. Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen warnen vor einem Kahlschlag. Primäres Ziel der künftigen Krankenhausplanung darf nicht der Kapazitätsabbau sein, betont die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW). Stattdessen müsse es um Versorgungskonzepte gehen, die sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren.

„Die Zeit der kalten Strukturbereinigung müssen wir hinter uns lassen“, forderte KGNW-Präsident Jochen Brink anlässlich der Präsentation eines Grundsatzpapiers zur Krankenhausplanung bei einer Tagung des NRW-Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Strukturabbau allein sei keine Krankenhausplanung, betonte Brink. „Die Wahlfreiheit des Krankenhauses für die Bürgerinnen und Bürger muss auch zukünftig gegeben sein.“

Ministerium prüft Gutachten

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will den neuen Krankenhausplan auf eine Analyse der Versorgungssituation und des künftigen Bedarfs stützen. Dafür hat er ein Gutachten bei der Beratungsgesellschaft „Partnerschaft Deutschland GmbH“ und Professor Reinhard Busse vom Fachbereich Gesundheitsmanagement der Technischen Universität Berlin in Auftrag gegeben. Es soll inzwischen beim Ministerium liegen und intern geprüft werden.

Sorgen machen den Klinikvertretern die bekannten Positionen von Gutachter Busse. Er war einer der Autoren des viel diskutierten Diskussionspapiers der Leopoldina zur Krankenhausversorgung und hält in Deutschland 300 bis 400 Kliniken für ausreichend.

Das Herunterbrechen des rechnerischen Ansatzes von einer Klinik pro 250.000 Einwohner auf NRW würde die Zahl der Häuser von aktuell 344 auf 80 bis 90 reduzieren. „Ein solches Vorgehen ist aus unserer Sicht undifferenziert und wird den regionalen Besonderheiten nicht gerecht“, sagte der VDK-Landesvorsitzende Wolfgang Müller. Man dürfe keine Kapazitäten abbauen, die künftig wieder gebraucht werden, sagte Brink.

Die KGNW will sich aber notwendigen Schließungen nicht verschließen und sich in die Strukturveränderungen aktiv einbringen. Sie sollten aber vor Ort entwickelt und die lokalen Akteure frühzeitig eingebunden werden. „Dieser Prozess muss unter der politischen Federführung des Landes koordiniert und verantwortet werden“, heißt es in dem Grundsatzpapier.

Kliniken zu Gesundheitszentren

Für notwendig hält die Gesellschaft Fortschritte bei der sektorübergreifenden Versorgung. Sie plädiert für den Ausbau von Kliniken zu Gesundheitszentren, die neben der dezentralen hausärztlichen Versorgung zur Anlaufstelle für die Menschen vor Ort würden. Ergänzt werden sollte ihre Arbeit durch krankenhausgestützte „Medizinisch-Pflegerische Versorgungszentren“, so die KGNW.

Ein solches Vorgehen ist aus unserer Sicht undifferenziert und wird den regionalen Besonderheiten nicht gerecht.

Wolfgang Müller NRW-Landesvorsitzender des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands zum rechnerischen Ansatz: Eine Klinik pro 250.000 Einwohner.

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