Ärzte Zeitung online, 08.07.2019

In 15 Regionen gestartet

Petra hilft Bayern gegen Rheuma

Das Versorgungsprojekt „Petra“ zielt auf Menschen mit Rheumatoider Arthritis. Grundlage des Modellprojekts sind aktuelle Erkenntnisse, wie die Psyche Rheuma beeinflusst.

Von Thorsten Schüller

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Für das Projekt Petra werden 400 Rheumapatienten gesucht.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

MÜNCHEN. In Bayern ist ein durch den Innovationsfonds gefördertes Versorgungsprojekt für Menschen mit rheumatoider Arthritis (RA) gestartet. Patienten mit RA können dabei neben der bestehenden medikamentösen Therapie an einem Gruppentraining teilnehmen, um ihre Gesundheits- und Lebenskompetenz zu steigern. Die Rekrutierung läuft noch bis September 2019.

Wie der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRH) mitteilt, erhoffen sich die Beteiligten des Projektes „Personalisierte Therapie bei Rheumatoider Arthritis basierend auf dem Modell der Psychoneuroimmunologie “ (Petra) durch die gruppenbasierten Kompetenztrainings eine Steigerung der Remissionsrate und einen verbesserten Krankheitsverlauf.

Grundlage für das Versorgungsprojekt sind nach den Angaben der Münchener Rheumatologin Susanna Späthling-Mestekemper Erkenntnisse der Psychoneuroimmunologie, die den Einfluss psychischer Faktoren auf das Immunsystem und die körperliche Gesundheit belegen würden.

Neun Monate Kompetenztraining

Um die Wirksamkeit des Kompetenztrainings zu untersuchen, soll eine begleitende Evaluation über 18 Monate stattfinden, wobei die Patienten mit RA in eine Interventions- (IG) und eine Kontrollgruppe (KG) randomisiert werden. Die IG umfasst 200 Patienten mit RA.

Zusätzlich werden für die IG 100 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen rekrutiert, da davon ausgegangen wird, dass Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen verschiedene Persönlichkeitsstrukturen besitzen und somit die Psychodynamik der Gruppe positiv beeinflusst wird. Die bis zu 300 IG-Patienten erhalten ab September 2019 ein neunmonatiges Kompetenztraining, das alle zwei Wochen von speziell qualifizierten Psychotherapeuten durchgeführt wird.

Die Teilnehmer der Kontrollgruppe nehmen nur an den begleitenden Untersuchungen teil und erhalten im Anschluss der 18-monatigen Evaluationsphase eine Aufwandsentschädigung.

Zusätzlich zur Evaluation des Hauptprojekts finden für bis zu 20 Patienten integrative Einzelfallstudien zur Analyse komplexer biopsychosozialer Fragestellungen statt, die durch die Medizinische Universität Innsbruck durchgeführt werden. Die Einzelfallstudien sollen einen innovativen Ansatz zum Erkenntnisgewinn darstellen.

Die Rekrutierung der 400 Rheumapatienten läuft seit April und dauert bis September 2019. Am Petra-Projekt können Rheumatologen aus 15 bayerischen Modellregionen teilnehmen, die Standorte für die Kompetenztrainings sind. Dazu zählen unter anderem München, Regensburg, Rosenheim, Nürnberg und Aschaffenburg. Nach Angaben der Organisatoren können jedoch alle Patienten der teilnehmenden Praxen mit entsprechenden Teilnahmevoraussetzungen an Petra teilnehmen.

Rheuma-Liga ist mit im Boot

Petra ist ein durch den Innovationsfonds gefördertes Projekt. Es wird vom BDRH unter Konsortialleitung der Universität Witten-Herdecke in Zusammenarbeit mit dem BKK Landesverband Bayern, der KV Bayern, dem Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten, Landesverband Bayern, der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung, Landesgruppe Bayern, dem Berufsverband der Präventologen sowie der Universität Regensburg, der Medizinischen Universität Innsbruck und dem Institut für angewandte Statistik umgesetzt.

Kooperationspartner sind der Bayerische Hausärzteverband und der Landesverband Bayern der Deutsche Rheuma-Liga.

18 Monate erfolgt eine begleitende Evaluation, um die Wirksamkeit des Kompetenztrainings zu untersuchen.

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