Ärzte Zeitung online, 20.10.2017
 

Medizinethik

Weltärztebund modernisiert Genfer Gelöbnis

Ärzte sollen medizinisches Wissen teilen, aber auch die eigene Gesundheit achten. Das ist der Haupttenor des modernisierten Genfer Gelöbnisses.

Weltärztebund modernisiert Genfer Gelöbnis

In der neuen Fassung verpflichtet das Gelöbnis Ärzte, medizinisches Wissen zum Wohl der Patienten und zur Förderung der Gesundheitsversorgung mit ihren Kollegen zu teilen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

BERLIN. Der Weltärztebund (WMA) hat den hippokratischen Eid modernisiert. In der neuen Fassung verpflichtet das Gelöbnis Ärzte, medizinisches Wissen zum Wohl der Patienten und zur Förderung der Gesundheitsversorgung mit ihren Kollegen zu teilen. Darüber hinaus sollten Ärzte bei ihrer Arbeit aber auch an die eigene Gesundheit denken. Nur dann könnten sie eine gesundheitliche Versorgung auf höchstem Niveau leisten, heißt es in einer Mitteilung der Bundesärztekammer (BÄK). Die Erweiterung des sogenannten Genfer Gelöbnisses aus dem Jahr 1948 hat die Generalversammlung des Weltärztebundes vor wenigen Tagen in Chicago beschlossen.

Empfehlungen an Regierungen

In vielen Ländern ist das Genfer Gelöbnis laut BÄK Teil der ärztlichen Berufsordnung, in manchen habe es sogar Gesetzescharakter. Der Weltärztebund rechne damit, dass die überarbeitete Fassung weltweit als ethischer Kodex für Ärzte anerkannt werde. Die Änderungen seien von einer internationalen Arbeitsgruppe unter Leitung der BÄK über einen Zeitraum von zwei Jahren vorbereitet worden.

Der WMA hat bei seiner aktuellen Sitzung auch Empfehlungen an Staatsregierungen zur effektiveren Bekämpfung von Pandemien und Epidemien gegeben. Die Ärzte werden dazu aufgerufen, ihr Wissen auf nationaler Ebene in Kriseninterventionsprogramme einzubringen. Diese Stellungnahme hat die Bundesärztekammer gemeinsam mit den britischen und amerikanischen Ärzteverbänden entworfen.

Solidarität mit polnischen Ärzten

Der Weltärztebund hat sich in Chicago auch mit der Lage der polnischen Ärzte beschäftigt. In Polen sind in der vergangenen Woche 20 junge Ärzte an einer Kinderklinik in den Hungerstreik getreten (wir berichteten). Mit dieser Aktion wollen sie auf ihre schlechte Bezahlung – ein Assistenzarzt verdient etwa 500 Euro im Monat – aufmerksam machen. Ihnen geht es aber auch um die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen.

Der WMA hat die polnische Regierung aufgefordert, das Leben der Ärzte zu schützen und das Gesundheitssystem ausreichend zu finanzieren. "Es ist richtig, dass die polnischen Ärzte diese Ausbeutung nicht länger hinnehmen wollen. Sie verdienen dafür unsere volle Unterstützung", sagt BÄK-Präsident und WMA-Vize Professor Frank Ulrich Montgomery. (chb)

[22.10.2017, 13:16:59]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Aktualisierte, erweiterte Fassung des Arztgelöbnisses:
"The Physician’s Pledge
AS A MEMBER OF THE MEDICAL PROFESSION:
I SOLEMNLY PLEDGE to dedicate my life to the service of humanity;
THE HEALTH AND WELL-BEING OF MY PATIENT will be my first consideration;
I WILL RESPECT the autonomy and dignity of my patient;
I WILL MAINTAIN the utmost respect for human life;
I WILL NOT PERMIT considerations of age, disease or disability, creed, ethnic origin, gender, nationality, political affiliation, race, sexual orientation, social standing or any other factor to intervene between my duty and my patient;
I WILL RESPECT the secrets that are confided in me, even after the patient has died;
I WILL PRACTISE my profession with conscience and dignity and in accordance with good medical practice;
I WILL FOSTER the honour and noble traditions of the medical profession;
I WILL GIVE to my teachers, colleagues, and students the respect and gratitude that is their due;
I WILL SHARE my medical knowledge for the benefit of the patient and the advancement of healthcare;
I WILL ATTEND TO my own health, well-being, and abilities in order to provide care of the highest standard;
I WILL NOT USE my medical knowledge to violate human rights and civil liberties, even under threat;
I MAKE THESE PROMISES solemnly, freely and upon my honour."

Mit "THE HEALTH AND WELL-BEING OF MY PATIENT" rückt erneut eine Fehlentwicklung bisheriger Arztgelöbnisse in den Focus:
VERLEUGNUNG VON KRANKHEIT, CHRONISCHEN LEIDEN, TEILHABEVERLUST, SIECHTUM und TOD!

Wir Ärztinnen und Ärzte sind mitnichten für weltumspannende Gesundheit und bio-psycho-soziales Wohlbefinden ausgebildet, trainiert und qualifiziert. Der ausschließliche Gesundheitsaspekt negiert unsere Kernkompetenzen innerhalb der verschiedenen medizinischen Professionen. Ärztinnen und Ärzten sind gemeinsam mit den uns anvertrauten Patienten/-innen in Klinik, Forschung & Entwicklung, Praxis, Krankheitsbewältigung, Krankenversorgung, Krankenhauskonzernen, MVZ, medizinisch-technischen und medizinisch-pharmazeutischen Industriekomplexen, aber auch in der sogenannten Gesundheitsbürokratie in erster Linie mit den Auslösern, Ursachen und klinischen Manifestationen von Krankheiten bzw. Krank-Sein unserer Patienten involviert. Unser "Kerngeschäft" mit zum Teil detektivischer Anamnese, Untersuchung, Differenzial-Diagnose, Beratung, multidimensionalen Therapie, Palliation, privat- und vertragsärztlicher Praxis, Krankenhäuser und Universitätskliniken wurde und wird von allen Vertretern der alleinigen Aspekte „Gesundheit“ und „Gesundbeten“ m.E. falsch eingeschätzt.

Das DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) beschreibt einige zehntausend Krankheitsentitäten nach der Internationalen ICD-10-GM-Nomenklatur: Nach dem aktuellen ICD-Diagnosen-Thesaurus
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/index.htm
und
http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/icd-10-gm/version2018/aktualisierung/x1gap2018.zip
werden über 32.00 beschrieben. Die aktuelle Version der ICD-10 GM 2017 listet in seiner Systematik ca. 13.400 endständige Kodes auf und verfügt in seinem ICD-10 Alphabet über ca. 76.900 Einträge in der EDV-Fassung.

Unsere Kernkompetenzen sind die Zehntausenden von Krankheitsentitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlung, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischen/diastolischen/pulmonalen Hypertonien, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten und Komplikationen, Addison-Krisen, anderen endokrinen Störungen, Nierenversagen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten/Prionen oder chronischen Schmerzen, um nur Einiges zu nennen.

Medizinische Wissenschafts- und Erkenntnistheorie entwickelt sich weiter zu Bewältigungsstrategien von Krankheit, nicht von Gesundheit. Da hilft auch eine wie auch immer geartete "Health Literacy" unseren Patienten/-innen nicht weiter. Zumal sich medizinische Erkenntnisse in Anamnese, Untersuchung, Differenzialdiagnostik, Labor, Apparate-Medizin, Psychosomatik, mehrdimensionaler Therapie, Schmerzlinderung, Palliation und Sterbebegleitung permanent fortentwickeln, verändern, in Frage stellen oder revidieren lassen müssen.

Trotzdem wird in Medien, Politik und Öffentlichkeit insbesondere von Medizinbildungs- und Versorgungsfernen Schichten in Wissenschaft und Praxis immer so getan, als ob Patienten selbst alleine wesentlich klüger und allwissender sein müssten bzw. könnten, als ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Ein einheitlich zuverlässig beurteilbares Laien- und Expertenwissen kann es aber, wie in allen anderen Wissenschaftsdisziplinen auch, schon gar nicht in der Humanmedizin mit ihrer ständig changierenden "conditio humana" geben.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

http://news.doccheck.com/de/blog/post/2591-kranke-gesundheit-gesunde-krankheit/
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