Ärzte Zeitung, 20.05.2008

Sollen Pestizide in der EU verboten werden?

Weiter Streit in Brüssel

BRÜSSEL (spe). Die grüne Europaabgeordnete Hiltrud Breyer spricht sich für ein EU-weites Verbot von gesundheitsschädigenden Pestiziden aus. Die Schädlingsbekämpfungsmittel könnten zu einer schleichenden Vergiftung führen, so Breyer.

Gefährdet seien vor allem Kinder. Die neurotoxische Wirkung von Pestiziden könne bei Kindern zu sensorischen Störungen, einer verzögerten geistigen Entwicklung, Lernschwierigkeiten oder Autismus führen, sagte die Europapolitikerin.

Grenzwerte gaukelten hingegen nur eine scheinbare Sicherheit vor. "Die einzelnen Werte sagen nichts über die kumulative Wirkung mehrerer Pestizide aus", so Breyer. In konventionell angebautem Gemüse oder Obst fänden sich aber in der Regel Rückstände mehrerer Stoffe.

Die Frage, ob gesundheitsgefährdende Pestizide künftig verboten werden sollen oder nicht, spaltet derzeit den europäischen Gesetzgeber. Während sich das EU-Parlament (EP) bei der Überarbeitung der Zulassungsvorschriften für Pestizide mehrheitlich für ein Verbot ausspricht, drängt die deutsche Bundesregierung im Rat darauf, Schädlingsbekämpfungsmittel, die Krebs erzeugen oder das menschliche Erbgut und die Reproduktionsfähigkeit (so genannte CMR-Stoffe) beeinträchtigen können, weiterhin bis zu bestimmten Grenzwerten zuzulassen.

Der Wissenschaftler Philippe Grandjean vom Institut für Öffentliche Gesundheit in Süd-Dänemark schätzt, dass über 1000 Chemikalien das kindliche Gehirn schädigen können. Er räumte ein, dass die neurotoxische Wirkung von Pestiziden bislang nur unzureichend erforscht sei.

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