Ärzte Zeitung, 23.05.2008

Briten halten an Abtreibungsrecht fest

Unterhaus stimmt gegen Verkürzung der Frist zum Schwangerschaftsabbruch / Viele Ärzte haben Bedenken

LONDON (ast/hub). Britische Ärzte sind geteilter Meinung, nachdem das Unterhaus am Dienstag eine Verkürzung der Abtreibungsfristen von 24 auf 22 beziehungsweise 20 Wochen abgelehnt hat. Damit behält Großbritannien eine der liberalsten Regelungen zu Schwangerschaftsabbrüchen in der EU.

Vor der Abstimmung im britischen Unterhaus demonstrierten Frauen vor dem Parlament für die Beibehaltung des geltenden Abtreibungsrechts.

Foto: ast

Gesundheitspolitische Beobachter in London äußerten sich am Mittwoch überrascht angesichts der überwältigenden Mehrheit, mit der für eine Beibehaltung des Status Quo gestimmt wurde. 332 Abgeordnete votierten für Beibehaltung der 24-Wochen-Frist, 190 für eine Verkürzung.

Viele hochrangige Minister hatten entgegen den Wünschen von Premierminister Gordon Brown für eine Verkürzung der Abtreibungsfristen auf 22 Wochen gestimmt. Vor der Abstimmung hatten mehrere hundert Briten vor dem Londoner Unterhaus für beziehungsweise gegen die debattierte Gesetzesänderung demonstriert. Innerhalb der britischen Ärzteschaft wurde die Debatte mit großem Interesse verfolgt.

Laut Ärztebund weigern sich viele Mediziner "aus Gewissensgründen", Schwangerschaften nach der 20. Woche abzubrechen: dafür gebe es "verschiedene Gründe", wie eine Sprecherin des Ärztebundes (British Medical Association) der "Ärzte Zeitung" sagte. Interessant: sowohl Premierminister Gordon Brown als auch der Vorsitzende der oppositionellen Konservativen Partei im Unterhaus, David Cameron, stimmten für das 24-Wochen-Limit.

Brown sagte, es gebe "keinen Grund", die Frist zu verkürzen. Allerdings stellte er es den Labour-Abgeordneten im Unterhaus frei, nach ihrem persönlichen Eindruck und Gewissen abzustimmen.

In Deutschland haben in der 24. Schwangerschaftswoche geborene Frühchen eine Überlebenschance von 60 Prozent.

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