Ärzte Zeitung online, 07.08.2008
 

Britischen Nierenkrebspatienten sollen Medikamente gestrichen werden

Staatlichem Gesundheitssystem fehlt das Geld für die lebensverlängernde Arzneien

LONDON (dpa). Vier lebensverlängernde Medikamente für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs sollen in Großbritannien aus Kostengründen nicht mehr verabreicht werden.

Mit bis zu 35 000 Pfund pro Patient und Jahr sind die Medikamente nach Ansicht der Gesundheitsbehörde mit Blick auf ihren Nutzen zu teuer. Der Direktor der Gesundheitsbehörde, Peter Littlejohns, sprach von einer schweren Entscheidung, die Medikamente zu streichen. Die Mittel des staatlich finanzierten Gesundheitssystems seien aber begrenzt.

Er räumte ein, dass die Medikamente das Leben von Nierenkrebspatienten um bis zu einem halben Jahr verlängern könnten, ohne jedoch einen heilenden Effekt zu haben. Wenn diese Medikamente (Bevacizumab, Sorafenib, Sunitinib und Temsirolimus) weiter eingesetzt würden, müssten andere Patienten aber auf nützlichere Behandlungen verzichten.

Patientenvertreter kritisierten die Pläne. Viele Leidende würde so zu einem früheren Tod verurteilt. Bei 7000 Briten wird pro Jahr Nierenkrebs diagnostiziert, bei etwa 1700 von ihnen hat die Krankheit ein fortgeschrittenes Stadium erreicht.

Das britische Gesundheitssystem NHS wird aus dem Steueraufkommen finanziert. Krankenkassenbeiträge werden für den National Health Service nicht erhoben. Nur wenige Briten verfügen über eine private Zusatzversicherung. Immer wieder gibt es Berichte über lange Wartezeiten, um einen Termin zu bekommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Digitalisierung – Ärzte zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Viele Ärzte im Krankenhaus verbinden mit der Digitalisierung die Hoffnung auf Arbeitserleichterungen. Zugleich beklagen sie mangelhafte Vorbereitung und Umsetzung, so eine Umfrage. mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »