Ärzte Zeitung online, 05.09.2008

Teenager in den USA - zwischen Enthaltsamkeit und Schwangerschaft

HAMBURG (dpa). Die USA nehmen bei Teenager-Schwangerschaften im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein. Für 2006 errechneten Statistiker in den Vereinigten Staaten auf 1000 Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren 41,9 Geburten. In Deutschland waren es 10,7 - und 13,4 in Kanada.

Konservative US-Politiker und Kirchenvertreter sehen vor allem in sexueller Enthaltsamkeit ein Mittel dagegen. Ein Gesetz aus dem Jahr 1996 sieht staatlich geförderte Bildungsprogramme vor, die neben religiösen Werten auch Keuschheit bei Jugendlichen propagieren.

Im vergangenen Jahr förderte die Regierung in Washington das mehrfach erweiterte "Programm zur sexuellen Enthaltsamkeit" mit 176 Millionen US-Dollar. Seit das Gesetz zur Förderung von "Abstinence Only" (Abstinenz vor der Ehe und nichts anderes) im Schulunterricht verabschiedet wurde, ist die Zahl von Gruppen wie "Choices" (Entscheidungen) rapide gewachsen, die in Gemeindezentren oder Schulen Teenager-Kurse organisieren.

Programme unter dem Dach der Allianz für Familien unterliegen strikten Auflagen. So muss jungen Leuten vermittelt werden, "dass sexuelle Aktivitäten außerhalb der Ehe wahrscheinlich schädliche psychische und physische Auswirkungen haben". Kondome und andere Verhütungsmittel dürfen nicht als Möglichkeit zur Verhinderung von ungewollter Schwangerschaft propagiert werden. In mehreren Bundesstaaten setzten konservative Elternverbände durch, dass Aufklärungsunterricht an Schulen weitgehend abgeschafft wurde.

Der Rat für Sexualkunde und die nationale Kampagne zur Verhinderung von Teenager-Schwangerschaften kritisieren eine gefährliche Eingleisigkeit. Es werde Abstinenz propagiert, ohne Jugendlichen zu erklären, wie sie sich vor ungewollten Schwangerschaften schützen können. Experten der US-Gesundheitsbehörde CDC verweisen darauf, dass es bisher keine fundierten Erkenntnisse über den Erfolg der "Abstinence Only"-Lehre gibt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »